Auf ein Wort: Advent #3

Neulich in der Stille

Advent heißt Stille.
Nein, die Wahrheit ist,
dass der Advent nur laut und schrill ist.
Ich glaube nicht,
dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann,
dass ich den Weg nach innen finden kann,
dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt.
Es ist doch so,
dass die Zeit rast.
Ich weigere mich zu glauben,
dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint,
dass ich mit anderen Augen sehen kann.
Es ist doch ganz klar,
dass Liebe fehlt.
Ich kann unmöglich glauben,

nichts wird sich verändern.
Es wäre gelogen, würde ich sagen,
Liebe kommt auf Erden.

 

„Irgendwo auf der Welt geht immer gerade die Sonne auf“, so der junge Moderator neulich im Nachrichtenkanal. Unwiederbringlich vorbei sind die Zeiten von Testbild, Pausenzeichen, Sendeschluss, Mittagspause, Sperrstunde, Anstehen am Telefonhäuschen. Unsere Welt ist permanent an, der Medienfluss ist immer da, überall. Und wir schwimmen mittendrin in Informationsströmen unausgesetzt, polyphon, permanent. 9 to 5 war gestern, 24 -7 ist heute, immer, hier und jetzt. Früher kam der Postbote einmal am Tag, heute kommt er ununterbrochen. Früher röchelte sich das Modem langsam ins Internet. Heute durchleben wir schwerste Lebensstörungen, wenn die 4 apokalyptischen Reiter unserer Zeit: kein Netz, kein Empfang, kein Akku, kein Download, einmal bei uns vorbeireiten. Immer neue Verbindungsformen öffnen sich, die den Tagesablauf, zunehmend porös machen, osmotisch, alles wird durchlässiger, eine unendliche Zahl von Ablenkungen tut sich auf und die Arbeit plätschert über Dienstschluss hinaus ins Private und umgekehrt. Emails, Instant Messenger, Social Media,im Lala-Land des WWW, des weltweiten Weihnachtsmarktes, Black Friday, Cyber Monday, private Insolvenz am Dienstag, wer nicht abbrennt oder ausbrennt, ist immer da, immer mit Vollgas auf der Datenautobahn mit unbekannten Ziel in dieser vergänglichen Ewigkeit des Immer. Und nun kommt wieder dieser Advent und bald Mr. X-man um die Ecke und lädt uns ein, innezuhalten, nachzudenken, den Staub von der Seele zu bürsten. Aber mal Hand aufs glühweinwarme Herz: haben wir heute schon gelacht? Den Anderen wahrgenommen? Unser Leben auf Seelenfrieden abgehört? Mensch, halt an, schau hin, hör zu – was ist! Schweigendes Innehalten – geht das in unserem multimedialen Klangsirup überhaupt noch? Stille hat keine Lobby, kann nicht schreien, trotz aller Lärmkosmetik ist es erst still, wenn wir unseren eigenen Atem hören können. Als Einladung zum Nachfühlen, Wirkenlassen, Vertiefen, Zusichkommen, Auskosten Raumgeben. Stille. ein Zwischenraum, ein Bewusstseinswandler, um neu die Stimme zu hören, die uns ins Leben ruft. Gottes Stimme, die uns einlädt zu Größerem, Höheren, Tieferen. Ich lade uns ein, sich darauf einzulassen, fallenzulassen, vertrauen, und zu antworten, zu danken, zu bitten, zu klagen, zu loben, zu beten, anzubeten, sich in Gott und seiner Vision von Leben der Qualität ewig zu verorten, einen Gebetsanker setzen, denn es ist erwiesen: Gebete wirken, selbst über Entfernungen hinweg verändern sie biologische Prozesse und jedes Mal, wenn ich persönlich bete, bekomme ich einen Mutanfall. Verbinden wir uns also nicht mit vergänglichen Datenströmen, die uns ruhelos und unstet weitehetzen lassen,nach dem Großen und Außerordentlichen, pardon, nach dem noch Größeren und noch viel mehr Außerordentlichen, falsch, nach dem fundamentalgalaktischen,übelstkonkret, bongforzionös totalhammerkrassem Größten mit Gänsehautentzündung oder so, sondern verbinden wir uns mit dem Leben, wie Gott es uns in der Geburt eines Kindes im Unscheinbaren, im Kleinen, in seinem Sohn Jesus Christus verheißen hat: Leben in Fülle.

Liebe kommt auf Erden.
Es wäre gelogen, würde ich sagen,
nichts wird sich verändern.
Ich kann unmöglich glauben,
dass Liebe fehlt.
Es ist doch ganz klar,
dass ich mit anderen Augen sehen kann,
dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint.
Ich weigere mich zu glauben,
dass die Zeit rast.
Es ist doch so,
dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt,
dass ich den Weg nach innen finden kann,
dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann.
Ich glaube nicht,
dass der Advent nur laut und schrill ist.
Nein, die Wahrheit ist,
Advent heißt Stille.

Stefan Harrer

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