alles!=anders

Mütend ist das neue Kollektivgefühl. Die Menschen sind müde und wütend zugleich, nicht mehr nur pandemüde, sondern jetzt auch erzürnt: über Salami-Lockdowns, Verlängerungsverlängerungen, Dochnichtruhetage, Geistergastronomie, Beherbergungsverbot, föderale Extrawurst und politischen Eiertanz. Die unüberwundene Pandemie weckt in uns ungekannte Mattgefühle wie Coronakater, Hoffnungsunlust und Weltschmerzdunkel, dass selbst der letzte Optimistfink verschnupft ist. Und Zorn: auf Nacktnasen und Wirrologen, dass uns an Coronachten keine Reise ins Warme gegönnt war, sondern Holistay – Urlaub zu Hause. Statt Trikini (Bikini mit passender Maske) am Strand, Quarantini-Cocktail zu Hause auf dem Sofa, stellvertretend für all die pandemiesen Dinge, die da noch sind. Man ist übermüpfig und overzoomed, hat Langeeile, Krisenfrise und Coronabody. Man blickt sehnsuchend und müderfordert einer Umarmung in der Nach-Corona-Welt entgegen oder doch nur wieder auf seine Warnapp oder den R-Wert und hofft, bald aus dieser Coronarkose zu erwachen… Die Jünger Jesu sind längst wieder mit Frust und Lust im Alltag versunken. Der aufer­stan­dene Christus war ihnen begegnet, hatte sie bestärkt und begeistert. Aber schon ein paar Tage später ist der Zauber verflogen. Irgendwie muss das Überleben ja weitergehen. „Ich will fischen gehen!“ Petrus ist mütend, hält die Spannung nicht mehr aus. Doch Nichts fangen die Jünger in dieser Nacht. Da muss man durch. Zähne zusam­menbeißen. So ist es eben in dieser Welt, daran gewöhnt man sich. Dass die einen immer reicher werden und den anderen das Nö­tige zum Leben fehlt? Dass Kinder aus armen Verhältnissen schlechtere Aussichten haben als solche aus wohlhaben­deren Fami­lien? Dass Gewalt schon zur neuen Normalität gehört? Auch ich bin mütend. Dann ein Ruf, ein Fremder, vom Ufer her: „Habt ihr nichts, was euch satt macht nach der langen vergeblichen Nacht, in der Leere und Trostlosigkeit eures All­tags, in den erfolgslosen Versuchen, ihm einen Sinn ab­zugewinnen?“ Es ist Jesus. Er weiß um die Resignation, die sich in unseren Herzen einge­nistet hat, blickt tief hinein und weiß, dass wir uns das alles an­ders wünschen. Nein, wir haben nichts, außer Anspannung, Angst, Erschöpfung. Fliehen oder Dagegenhalten? Ein aktives Zutun scheint kaum möglich. „Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden“, sagt er. Lassen wir Zweifel nicht das letzte Wort haben. Auf Jesu Wort hin füllt sich das Netz der Fischer überbordend. Sein Wort wendet das Leben, erfüllt die Her­zen, gibt Glauben und Vertrauen auch im scheinbar Unmöglichen zurück. Sein Wort, ein wirksames Vakzin – gestern und heute…

-Stefan Harrer-

Comments are closed.

Facebook
Facebook
Instagram