Auf ein Wort: Advent #2

Neulich abends vorm Fernsehen

Neulich abends vorm Fernsehen, da, wo einem soviel Gutes wird beschert. Mal eben für einen OBI-Moment gemütlich hingesetzt. Platzda. Genuss muss keine Sünde sein. Man gönnt sich ja sonst nichts. Meica macht das Würstchen. Heute schon geploppt? Na, dann mal ran für das Beste im Mann, also in heller Vorfreude… und dann das – Werbepause: „Setzen Sie Ihrem Leben die Krone auf. Mach dein Ding! Sie haben sich‘s verdient. Hier kommt der Genuss. Sahne bis zum letzten Löffel. It’s cool man. Lasse rein bäng! Don’t call it Schnitzel! Es ist der Käse, der aus der Reihe tanzt. Schmutz geht, Glanz entsteht. Sicherheit, die man sieht und spürt. Wecke den Tiger in dir. Wünsche werden wüstenrot. Da lacht das Leben! Alles super! Das ist alles, was ein gutes Bier braucht. Der Duft, der Frauen provoziert. Just do it! Nogger dir einen! So herrlich joghurtleicht. Mix it, baby. Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer. Entdecke die Möglichkeiten. Nichts ist unmöglich. Es ist in dir – lass es raus!“ 

Das menschliche Glück ist von sinnlicher Art. Dieses Geheimnis wissen scheinbar auch die Werbemacher und rufen uns zu: Gönn dir was, am besten bunte Limonaden und universallängste, schokoschmackige Knusperriegel für deine Zeit der Zärtlichkeit. Nutzen unsere Sehnsucht aus, die dahinter steht, berührt zu werden, um geistig und seelisch nicht zu verkümmern. Diese alte Weisheit gerät immer wieder in Vergessenheit bei all unserem Joggen und unserer Fitness, Rennen und Stemmen, Keuchen, Schwitzen und anderer freiwilliger Selbstpeinigung. Gerät in Vergessenheit, wenn wir 542 mal am Tag auf unser Handydisplay starren, weil der Umgang mit unserem Smartphone nicht mehr unserem freien Willen unterliegt, wie z.B. neulich eine BMW Fahrerin gestoppt wurde, die das Lenkrad mit den Beinen steuerte, weil sie in beiden Händen ihr Smartphone hielt… Gestehen wir uns doch ein, wir suchen überall, sind süchtig und brauchen etwas, das uns berührt. Und tief in uns wissen wir, das können wir nicht googeln, kaufen oder zwingen, sondern es muss uns geschenkt werden: Schutz schenkend, behutsam, sorgfältig, helfend, eine Handreichung von Seele zu Seele, ein Brückenschlag von Herz zu Herz. Wenn wir Schmerz erfahren, wissen wir doch auch intuitiv, dass Berührung Schmerz lindert. Advent ist eine Zeit des Spürsinns. Gott will uns berühren. Und dazu wählt er den Herzensweg: als ein Kind einer obdachlosen Familie, geboren in einem Stall, in einer Futterkrippe auf Stroh, schwach, abhängig, hilflos, wehrlos, es braucht vielmehr unsere Zuwendung – rund um die Uhr. Gottes Wege sind eben anders: er würfelt nicht am grünen Tisch über unser Schicksal, sondern macht sich auf, um nachzuschauen, wieso unsere Zuwendung zu ihm ausbleibt – Gott wird Mensch, dass wir Menschen aufhören, wie Gott sein zu wollen. Er sendet uns einen Lichtstrahl seiner Liebe. Damit wir nicht weiter die Dunkelheit anklagen wird Gott Mensch und zeigt mir wie ich wahrhaft wieder Mensch werden kann. So groß kann klein sein. Das sind wir ihm wert! Dafür bezahlt er mit seinem guten Namen. 

Ach ja, neulich vorm Fernseher, am Ende der Werbepause: Der Tag geht, Johnnie Walker kommt. Der Advent geht, Jesus Christus kommt – kommt an. Die Kraft des Guten, ohne Schokolade, der Horizonte öffnet, Flügel verleiht, trotz all unserem Käse aus Holland: denn sind wir nicht alle ein bisschen Blup & Bluna? Er kommt – kraftvoll, kompatibel, menschlich. Aus Liebe zum Leben, um Momenten Seele zu geben. Ich glaub hier bin ich richtig. Come in find out. Einmal hin, alles drin, Eine Allianz fürs Leben! Da werden sie geholfen, da weiß man, was man hat. Guten Abend, bzw. guten Advent!

Stefan Harrer

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