Auf ein Wort: Das Gesicht Gottes

Das Gesicht Gottes

Advent, Weihnachten – ich liebe es! Glöckchenklang, Lebkuchenduft, Kerzenschein, strahlende Kinderaugen, die Luft voller Sehnen und Lieder, fröhliches Tummeln auf Weihnachtsmarkt & Co. tanzende Schneeflocken (zumindest in meiner Schneekugel), leuchtende Tannen-bäume, Harmonie und Kaminfeuer… – nicht weil das Advent wäre, sondern weil wir irgendwann in dieser Zeit die richtigen Fragen stellen. Ja, unsere Welt ist voller Fragen, wie z.B.: Dürfen Vegetarier Schmetterlinge im Bauch haben? Heißen Teig­waren Teig­waren, weil sie vorher Teig waren? Warum ist Wintereinbruch nicht strafbar? Ist eine Gesichtscreme, die 20 Jahre jünger macht, lebensgefährlich, wenn man erst 19 Jahre alt ist? Darf man in einem Wein­keller auch mal lachen? Und wo bleibt man eigentlich, wenn man sich verschluckt? Schaut man auch in Schulaufsätzen dieser Tage, merkt man schnell, dass Antworten Not täten, z.B. im Fach Religion. Frage: was wird am 31. Oktober in manchen Bundesländern gefeiert? Antwort: Der Informationstag zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags der 95 Prothesen von Luther Matthäus, der sagte der Papst als oberster Primat von Rom ist nicht die höchste Gewalt in der Küche. Oder: Wie geht die Weihnachtsgeschichte? Abraham und Eva waren auf der Suche nach einer Jugendherberge, weil der Herr Odes hinter ihnen her war. Da fanden Sie eine Scheune in Bruchtal, wo Jesus Christoph zur Welt kam. Nach dem der Kündigungsengel weg war, kamen 3 eilige Könige und brachten Geld, Weißkraut und Möhren vorbei. So steht es im neuen Temperament…Die Adventszeit lädt ein, Fragen zu stellen – und Antworten zu finden. Fragen, wie: worum geht es bei diesem Kind in der Krippe eigentlich und was hat das mit mir zu tun? Warum feiern wir Advent? Dies hat bereits einst ein Münchner Forschungsinstitut in einer Umfrage unter 700 Kindern getan. Hier ein paar interessante Antworten: „Weil es immer so gemacht wurde“, „damit es Winter wird“, „weil dann Oma kommt“, „damit die Geschäfte mehr verkaufen“, „damit man sich in der Familie mal wieder sieht“, „wegen der Stimmung“.Wie sehen unsere Fragen im Fluss dieser Tage unserer wirren Welt aus? Denken Sie gerade an die Arbeitsstelle, die Sie nicht behalten können? Den Tumor, der bei Ihnen gefunden wurde? Die Ehe, die Sie nicht retten konnten? Dem Chef, dem Sie nichts recht machen können? Geht es Ihnen wie dem kleine Jungen, der in der Weihnachtsgeschichte den Engel spielen und nur sagen sollte: „Ich bin‘s! Habt keine Angst!“ Und als es soweit war, nur hervorbrachte: „I bims und ich habe Angst!“..

Bethlehem, zur Zeitenwende: Eine junge Frau, ausgelaugt, kraftlos, übermüdet, viele Kilometer von ihrer Familie und ihrem eigenen Bett entfernt. Die letzten Tage hatte sie auf überfüllten, verstaubten Straßen bei winterlicher Kälte verbracht, fast ohne Geld, ohne warme Mahlzeit, weit, weit weg von ihren Freunden, mit nagendem Schmerz in ihrem Herzen. Gern hätte sie ihr Kind unter normalen Umständen zur Welt gebracht. Aber schwanger vor der Hochzeit und nicht von dem Mann, den sie heiraten sollte? Keiner glaubte ihre bizarren Erklärungsversuche. Dennoch hielt ihr Mann zu ihr. Ein Wunder. Genau wie die Geburt ihres Erstgeborenen in dieser armseligen Unterkunft, auf Stroh, mit Kühen als Zeugen und ihrem Mann als Hebamme. Maria stellte sich einst auch dieselben Fragen, bis sie, todmüde und in Schmerzen, ihr Kind in Armen hielt. Bis der, der mit seinen Füßen die Himmel durschritten hatte, um die Sterne ans Himmelszelt zu hängen mit seiner kleinen Hand ihren Finger hält. Leise flüsterte sie: „so sieht also Gott aus…“ Inmitten dieses Chaos wird eine Hoffnung geboren. Eine Zusage, die durch unser ganzes Leben tragen kann: Gott wurde Mensch, um zu erleben und zu fühlen, was wir durchmachen, um uns zu trösten, zu helfen, zu retten. Blicken wir dorthin, wohin Maria einst blickte – in das Gesicht dessen, der für uns kam: Jesus Christus.

– Stefan Harrer

Comments are closed.