Auf ein Wort: Eat, Work, Sleep, Repeat

In unserer schnelllebigen Zeit ist die Halbwertszeit von guten Vorsätzen für ein neues Jahr so kurz wie nie. Gerade ist der Silvesterfeuerwerksfeinstaubnebel verraucht und die Erinnerung ist noch frisch an die guten Gründe, aus denen man etwas in seinem Leben verändern will. Aber in einer Woche sieht es wahrscheinlich schon wieder ganz anders aus. Was ist aus unserer „Guten-Vorsatz-Liste“ geworden? 1. Früher ins Bett gehen 2. Mein Leben komplett umkrempeln und aufräumen. 3. Weniger Zeit im Internet verbringen 4. Mehr Sport machen und 3 mal Joggen pro Woche 5. Mama regelmäßig anrufen. 6. Zahnarzttermin machen 7. Pünktlich sein 8. Gesünder essen, selber kochen 9. Mehr Zeit für das, was wichtig ist 10. Sich selbst und das Leben nicht immer so ernst zu nehmen. – Wahrscheinlich so etwas wie: 1. Vor 24 Uhr ins Bett gehen 2. Mein Zimmer aufräumen und in den Schränken verstecken 3. Mehr Zeit im Internet verbringen 4. Eine Fitness-App auf dem Smartphone installiert und 1 x Monat joggen 5. Mama mal anrufen 6. Lernen mit Schmerz umzugehen 7. Freunde, die es stört, nicht mehr treffen 8. Bestellen 9. Irgendwann irgendetwas ausprobieren – startet nächsten Montag 10. Ich brauche keine guten Vorsätze. Ich bin mit den schlechten noch gar nicht durch. OK, wenn schon nicht selber gestalten, bleibt uns also wieder nichts weiter, als auf unsere Ambiguitätstoleranz zu hoffen, ungewisse, unerwartete, ungereimte Situationen mutig zu ertragen. Denn unser Leben ist paradox: wie war das noch mit dem Schild auf der Wiese: „Betreten der Wiese verboten“ – Wie kam es dorthin? Oder der Windows-Aufforderung: „Wenn Ihre Tastatur nicht mehr reagiert, drücken Sie die Escape-Taste.“ Oder: je mehr Käse, desto mehr Löcher; je mehr Löcher, desto weniger Käse. Also je mehr Käse, desto weniger Käse? Und überhaupt: das einzig Beständige im Leben ist die Veränderung. Auf ein Wort : ich empfehle im neuen Jahr etwas mehr gelassene Heiterkeit, wie sie der US-amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr auf den Punkt bringt: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Die Geduld, mit Veränderungen, die ihre Zeit brauchen, und Wertschätzung für alles, was ich habe. Toleranz gegenüber jenen, mit anderen Schwierigkeiten und die Kraft, aufzustehen und es wieder zu versuchen.“ Bleiben wir auch 2019 heiter und gelassen, denn auch in diesem Jahr hält die Liebe Gottes beste Geborgenheit für unsere Seele bereit, wenn die Nöte des Lebens uns bedrängen, wenn erschreckende Ereignisse hereinbrechen und die Furcht wächst oder wir selber nicht Wort halten: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ (Psalm 91, 11). Behütet gehen wir leichter und zuversichtlicher los. Auf den holprigen Wegen und den Schnellstraßen unseres Lebens, um in der Spur zu bleiben auf unserer Reise in das das helle und weite Land der Zukunft…

-Stefan Harrer-

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