Auf ein Wort: Geschenkt!

Schade. Dieses Jahr wird es wohl nichts mit dem besinnlichen Bummel durch friedsame Einkaufspassagen und schneeverträumten Weihnachtsmärkten auf der Suche nach den alljährlichen „wir-schenken-uns-nichts-Geschenken“. Dabei macht Schenken doch Freude und am meisten am Glühweinstand beim Ein- und Nachschenken. Weihnachtsgeschenke haben von jeher dieses prickelnde Etwas, übermittelten sie doch immer eine Botschaft – es fragt sich bloß welche. Bekomme ich ein Fitnessarmband von meiner Frau, will das heißen, du bist ganz schön dick geworden? Bekommt die 18-Jährige Melanie ein Landfrauenkochbuch von Oma, will das heißen, wer will denn immer nur Salat und veganes Zeugs essen? Das Mädchen muss Kochen lernen, bevor es auszieht! Oder bekommt Opa Heinz einen selbstgebastelten Stern vom 8-jährigen Enkel Tim geschenkt, heißt das quasi meine Lehrerin (die übrigens fürs filigrane Finish gesorgt hat) meint, Oldies freut das. Kein Wunder, wenn Opa Heinz dieses Jahr selbstgemalte Bilder seinen Enkeln schenkt, damit die mal sehen wie das ist. O du selige, gezwungen-selbstlose Tauschdarbietung von Vergißmeinnichtsen anerkennenden Gebens und dankbaren Nehmens aus Sympathie, Prestige oder Macht und nicht immer gratis. Egal. Wenn nicht ihm fri-fra-fröhlichen Weihnachtsbummel, dann kaufen wir halt das Internet leer. Denn hier gibt es noch viel krassere Geschenke: ein Holy Toast Brotstempel, eine lebensgroße Spiderkuh, Männerseife Mud Rub, original Tiroler Bergluft in der Zirbendose, ein Wurstseminar inklusive Salamikabeltrommel, ein Kaffeebecher mit Aufdruck „wish you were beer“, ein „Mach-ich-Morgen“-Stempel, Notfallgehirn aus Schokolade, ein Voodoo Messerblock, eine aufblasbare Krone „Königin für einen Tag“, einen Traummann zum Kneten… Ich denke, spätestens jetzt habe wir begriffen, dass die wichtigsten Dinge im Leben nicht Ergebnis eigenen Bemühens, sondern Geschenk sind und dass das, was wir wirklich besitzen, uns geschenkt wurde. Schenken ist ein verklingender Nachhall aus dem Paradies, wo alles Schenken war. Deswegen hat Gott uns neu erklärt, wie Schenken geht: aus Liebe, ohne Bedingungen. Er schenkte uns sein Bestes, sein Liebstes, seinen Sohn, und damit das ewige Leben – Bilder seiner Güte für uns. Nicht etwas, sondern er schenkt sich selbst ganz, denn ein Geschenk, in das wir nicht unser Herz investieren, wäre kein wirkliches Geschenk. Weil wir ihn brauchen. Weil seine Menschen nicht allein sein sollen mit ihren Fragen, ihren Fiaskos und ihrer Sehnsucht nach Leben. Damit wir spüren, dass wir wertvoll, geliebt und beschenkt sind und damit uns so einfällt: das könnte ich auch an andere weitergeben! Machen wir mit, gerade in sozial-distanzierten Zeit globaler Vervirtheit und verschenken wir, was wir sind, um zu entdecken: ein wenig Duft bleibt immer an den Händen derer, die Rosen schenken…

-Stefan Harrer-

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