Auf ein Wort: Good Friday Blues


All meine Zeit im Warten auf eine zweite Chance verschwendet, dass alles in Ordnung kommt. Es gibt immer einen Grund, sich nicht gut genug zu fühlen, besonders am Ende eines Tages. Ich sehne ich mich nach Zerstreuung, nach Befreiung, die alle Erinnerung versickern lässt, um leer zu werden, schwerelos und vielleicht finde ich etwas Frieden heute Nacht in den Armen eines Engels. Ich fliege davon, fort aus Dunkelheit, Kälte, der Unendlichkeit der Angst, und den Trümmern meiner stillen Träumerei, um Trost in den Armen eins Engels zu finden…“ – Verlassen. Ein verfallenes Haus am Rande der Stadt. Einst ein Hort des Lebens – wo ist es hin? Bleibt nur noch Erinnerung, die wie der Wind durch die Ritzen pfeifft. Verlassen – flüstern die Stimmen an der Tür des Waisenhauses, an der ein kleines, schmutziges Mädchen mit großen verängstigten Augen abgegeben wird, aussortiert, abgeschoben, ausgegrenzt. Verlassen. Eine ältere Frau sitzt am Weihnachtsabend im Rollstuhl und blickt in den nächtlichen Sternenhimmel. Keine Postkarte, kein Besuch, von der Familie vergessen. Verlassen. Die Mutter mit den drei Kindern, weil der Mann sich beruflich und privat verändern will und plötzlich keinen Platz mehr für Familie in seinem Leben hat. Verlassen. Nach dreißig Jahren am Fließband bekommt er das Kündigungsschreiben an die Tür seines Spinds gepinnt. Keine Verwendung mehr für ihn. Verlassen. Auf der Flucht, die Heimat zurückgelassen, entwurzelte Seele, bar Freunden und Familie, verloren im andersartig Neuen. Verlassen. Plötzlich allein, das Leben im Wanken, wie ein Erdrutsch der Sturz ins Bodenlose, verkannt, verraten und verkauft, vom Leben und den Menschen betrogen. Ohne Kraft, weiter leben zu wollen, gefühlt wertlos, einsam und – verlassen. – „So müde immer nur zielstrebig geradeaus zu gehen mit stets den Geiern und Dieben im Rücken. Der Sturm windet weiter. Und du baust weiterhin deine Lügen, die du für alles erfindest, was dir fehlt. Macht es einen Unterschied? Es ist einfacher, diesen süßen Irrsinn zu glauben, um dieser Himmel hoch jauchzenden Traurigkeit zu entkommen, die dich in die Knie zwingt. In den Armen eines Engels fliege ich davon, fort aus Dunkelheit, Kälte, der Unendlichkeit der Angst, und den Trümmern meiner stillen Träumerei, um Trost in den Armen eins Engels zu finden…“–  Ein Soldat presst seine Knie gegen seinen Unterarm und treibt einen Nagel durch die erste Hand, dann durch die andere. Schließlich beide Füße. Als die Römer das Kreuz aufrichten, platzieren sie ihn genau an der Position, an der er sterben sollte, zwischen Himmel und Erde, zwischen Menschen und Gott. Geräusche überall: spöttische Rufe, das Rasseln der Schwerter, das Stöhnen sterbender Männer. Er sagt wenig, schenkt seinen Mördern Gnade, seiner Mutter einen Sohn, bittet um etwas zu trinken. Dann senkt sich Finsternis wie ein Vorhang, unnatürlich, dunkle Nacht am hellen Tag. Der Himmel weint, das Universum trauert und er schreit! Des Himmels schönstes Geschenk an die Erde, das Lamm, das die Sünde der Welt auf sich nahm, brüllt in Schmerz. Mit letzer Kraft hebt er die schweren Augenlider, sein Haupt zu den Sternen: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich – verlassen?“ Dies Wort ist so schwer zu ertragen. Warum? Warum schrie Jesus Christus diese Worte? Auf ein Wort: damit wir es niemals tun müssen….

-Stefan Harrer-

Original Songtext in kursiv: Angel, Songwriter: Sarah Mclachlan © Sony/ATV Music Publishing LLC, Übertragung: Stefan Harrer

Photo by Aaron Burden on Unsplash

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