Auf ein Wort: Käsekuchen im Dreivierteltakt

Musik ist eine Glücklichmacherin. Spürbar, sichtbar. Die Neuroforscherin Valori Salimpoor konnte kürzlich das musikalisches Gänsehautgefühl mithilfe bildgebender Verfahren im Gehirn sichtbar machen. Beim Anhören ihrer Lieblingsmusik wurde das Belohnungssystem im Gehirn der Probanden mit Dopamin regelrecht überflutet. So wie Käsekuchen die menschlichen Vorlieben für Zucker und Fett befriedige, ist Musik ein Produkt, das unsere Lustzentren befeuere. Musik bedient uralte Mechanismen unserer Psyche und spielt auf der gesamten Klaviatur der menschlichen Motivation. Musik ist eine Möglichmacherin. Five, six, seven, eight,. Eine Gruppe Neuntklässler lernt lustlos zögerlich Tanzschritte, zunächst gehemmt, unkoordiniert, geradezu peinlich berührt, doch eine Woche später bei der Aufführung ist alles anders: das schüchterne Mädchen vollführt wilde, geradezu anmutige Sprünge aus purem  Glücksgefühl, Leben das sich auf einmal ausdrücken kann und ungeahnte Fähigkeiten entdecken lässt. Musik ist eine kulturelle Symbiontin, die zunächst in die Gehirne der Menschen gelangt ist, weil die Klangstrukturen emotional bedeutsame Geräusche und Rhythmen der Natur imitierten. Dann aber hat sie sich gemeinsam mit dem Menschen weiterentwickelt, um so kulturelle Fertigkeiten des Menschseins überhaupt erst zu begründen. So ganz begreifen werden wir die die Magie der Musik wohl nie. Wie entstehen unsterblich musikalische Ideen, aus 12 Tönen unseres Kulturkreises gewoben, so einfach, und doch so tief, so neu, so reich, dass jede Note etwas zu erzählen hat. Etwas, was man nicht beschreiben kann, was man nur fühlt. Musik und christlicher Glaube sind seit jeher verbunden. Sie reicht vom ausgelassenen Lob Gottes bis hin zur Klage in den Psalmen, eine universelle Sprache, die jeder versteht, weil sie das Herz tiefer anspricht als Worte allein. Sie ist weder zum Erhalt des Lebens generell, noch zum Erhalt unserer Spezies notwendig. Ein purer Luxus. Nach getaner Arbeit kommentierte Gott sein Werk nicht mit: „Und siehe, es funktioniert!“. Sein Anspruch war höher gewesen als nur eine praktikable Welt zu erschaffen. Es ging ihm um Schönheit. Und Reichtum. Deswegen erfand er Musik, damit wir unseren Gedanken und Gefühlen Ausdruck verleihen können, auf ewig: „Musik, du bist die tiefste Labe, die aus der Menschenseele quoll. Bist Gottes allerbeste Gabe, da seine Güte überschwoll.“ (Hermann Claudius)

-Stefan Harrer-

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