Auf ein Wort: Neulich im Neujahr

 

Neulich im Neujahr

Neulich habe ich zufällig meinen Motivationskalender von 2015 wiederentdeckt, den ich bisher kein einziges Mal angeschaut hatte, randvoll mit noch unberührten Sinnsprüchen. Kaum sind die Glückskeks- und Tischfeuerwerksorakel verpufft, sehen wir wieder der bitteren Wahrheit ins Auge, dass auch das neue Jahr dieselbe Lebenssuppe mit Wasser und beschränktem Haltbarkeitsdatum kocht. Trotz aller guten Vorsätze, Wünsche und Bekundungen hat sich scheinbar gar nichts verändert: wir sind weder schöner, jünger oder reicher geworden und die Hosen kneifen immer noch an altvertrauten Stellen.

Und doch: da bricht ein neues Jahr an und der Himmel über uns ist zwar nicht anders, aber doch ist einem irgendwie für den Moment frischer, jünger, ungebrauchter zumute auf dem Losfeld unseres Lebensmonopolys. Das ist der Zauber des Neuen, der Sehnsucht, der Hoffnung, auf unserer nächsten Jahresrunde durch 365 Lebensfelder, Glück zu gewinnen und uns nicht zu verlieren im Rausch des Geldes oder anderer Ungewichtigkeiten. Den Blick nicht zu verlieren auf das Wesentliche. Denn eines Tages, das ahnen wir tief in unserem Herzen, wird für uns das Spiel zu Ende sein. Und so hoffen und sehnen wir uns weiter. Nach keinem Da Capo des immer Gleichen immer wieder, sondern dass das, was schiefläuft, gerade gerückt wird, dass das Leid ein Ende hat, nach sauberer Luft und prima Klima, nach sinnvollen Tätigkeiten, mehr Ehrlichkeit und Treue in der Welt, endloser Schönheit, keiner Einsamkeit und keinem Krieg mehr.

Ein gutes Motto für das neue Jahr ist, so finde ich: Lache, lebe, liebe. Nimm dich nicht so ernst, lache öfter in einer Runde mit Freunden, lass das Lachen Gottes, das in seiner Schöpfung wiederhallt, dein Herz erfüllen. Sei lebendig und nicht gelebt, sei mit anderen unterwegs zu einem Ziel, beginne mit Gott, dem Erfinder alles Lebens, Schritte zu wagen oder weiter zu gehen. Liebe, dich selbst, andere, Gott. Leere deine Hände, leg ab das schwere Herzensgepäck, werde langsamer, ungeplanter, fange und umarme das Licht, das seit Weihnachten aus der Krippe scheint, mit leeren Herzen und Händen und entdecke neu in und über dir – frischen, unberührten Himmel…

-Stefan Harrer-

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