Auf ein Wort: Souvenirs, Souvenirs

„Souvenirs, Souvenirs, kauft ihr, Leute, kauft sie ein. Denn sie sollen wie das Salz in der Lebenssuppe sein…“. 1959 sang Bill Ramsay diese perfiden Zeilen mit freundlicher Empfehlung der Reiseindustrie, die bis heute noch in uns nachklingen. Eulen aus Athen, Ethno-Schmuck aus Afrika, Püppchen aus Peru: unzählige Souvenirs stapeln sich in unseren Wohnungen und verstauben im Regal als Messie-Fetische. Mitbringsel aus schlechtem Gewissen, bei Geschäftsreisen hektisch am Flughafen gekauft, um der daheimgebliebenen Familie zu versichern: auch wenn ich euch ständig verlasse, bin ich in Gedanken immer bei euch. Oder Gutmenschen-Geschenke, aus Mitleid mit Straßenverkäufern gekauft, aus dem naiven Wunsch heraus, die Wirtschaft in Entwicklungsländern anzukurbeln. Konservier-Souvenirs, dem schmerzlichen Bewusstsein entsprungen, das vergängliche Glück mit unsäglichstem Kitsch als romantisches Urlaubsgefühl zu erhalten. Kalkül-Käufe, gern als Sammelbestellung zwecks günstigeren Preis im Vergleich zu Deutschland. Und all die Spontan-Souvenirs, in einem Zustand umnachteter Urlaubslaune grundlos gekauft oder einfach aufgesammelt, Schuhe, Muscheln oder Steine und Grund Nr. 1, warum Koffer am Ende einer Reise nicht mehr zugehen. Das Wort „Souvenir“ stammt aus dem Französischen und bedeutet „sich erinnern“ und nicht „sich unnützen Kram aufladen“. Denn die schönsten Andenken sind ohnehin nicht fassbar: unsere Erinnerungen als Bilder in Herz und Sinn für den Winter des Lebens. Dennoch könnten wir unseren diesjährigen Fernwehblues dazu nutzen, um uns an 2 Dinge zu erinnern. Erstens: unsere Geschichte namens Leben: keiner von uns kommt da lebend raus und mitnehmen ist nicht. Deswegen sollten wir es nicht wie ein Andenken behandeln, sondern leckeres Essen essen, in der Sonne spazieren, ins Meer springen, im Regen tanzen, mit dem Wind um die Wette laufen, die Wahrheit sagen und unser Herz auf der Zunge tragen, wenn wir fröhlich sind, unserem Gesicht Bescheid geben, albern sein, freundlich und komisch. Für nichts anderes ist jetzt Lebenszeit. Und zweitens: Gott erinnert sich jede Sekunde an uns  und gerade in diesem Augenblick, Wir sind von ihm geliebt, bedingungslos und grenzenlos, vorbehaltlos und maßlos. Und solch Liebe will erwidert werden. Er ist über alle Maßen gut zu uns, egal was die anderen denken, und solch Güte will weitegeschenkt werden. „Souvenirs Souvenirs einer großen Zeit, sind die bunten Träume unsrer Einsamkeit.“ Ich wünsche uns allen die bunten Träume einer persönlich großen Zeit – mit Gott. Schönen Urlaub!

 Songwriter: Cy Coben, Songtext von Souvenirs © BMG Rights Management

Foto: Valentimka on Pixabay

-Stefan Harrer-

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