Auf ein Wort: Good Friday Blues


All meine Zeit im Warten auf eine zweite Chance verschwendet, dass alles in Ordnung kommt. Es gibt immer einen Grund, sich nicht gut genug zu fühlen, besonders am Ende eines Tages. Ich sehne ich mich nach Zerstreuung, nach Befreiung, die alle Erinnerung versickern lässt, um leer zu werden, schwerelos und vielleicht finde ich etwas Frieden heute Nacht in den Armen eines Engels. Ich fliege davon, fort aus Dunkelheit, Kälte, der Unendlichkeit der Angst, und den Trümmern meiner stillen Träumerei, um Trost in den Armen eins Engels zu finden…“ – Verlassen. Ein verfallenes Haus am Rande der Stadt. Einst ein Hort des Lebens – wo ist es hin? Bleibt nur noch Erinnerung, die wie der Wind durch die Ritzen pfeifft. Verlassen – flüstern die Stimmen an der Tür des Waisenhauses, an der ein kleines, schmutziges Mädchen mit großen verängstigten Augen abgegeben wird, aussortiert, abgeschoben, ausgegrenzt. Verlassen. Eine ältere Frau sitzt am Weihnachtsabend im Rollstuhl und blickt in den nächtlichen Sternenhimmel. Keine Postkarte, kein Besuch, von der Familie vergessen. Verlassen. Die Mutter mit den drei Kindern, weil der Mann sich beruflich und privat verändern will und plötzlich keinen Platz mehr für Familie in seinem Leben hat. Verlassen. Nach dreißig Jahren am Fließband bekommt er das Kündigungsschreiben an die Tür seines Spinds gepinnt. Keine Verwendung mehr für ihn. Verlassen. Auf der Flucht, die Heimat zurückgelassen, entwurzelte Seele, bar Freunden und Familie, verloren im andersartig Neuen. Verlassen. Plötzlich allein, das Leben im Wanken, wie ein Erdrutsch der Sturz ins Bodenlose, verkannt, verraten und verkauft, vom Leben und den Menschen betrogen. Ohne Kraft, weiter leben zu wollen, gefühlt wertlos, einsam und – verlassen. – „So müde immer nur zielstrebig geradeaus zu gehen mit stets den Geiern und Dieben im Rücken. Der Sturm windet weiter. Und du baust weiterhin deine Lügen, die du für alles erfindest, was dir fehlt. Macht es einen Unterschied? Es ist einfacher, diesen süßen Irrsinn zu glauben, um dieser Himmel hoch jauchzenden Traurigkeit zu entkommen, die dich in die Knie zwingt. In den Armen eines Engels fliege ich davon, fort aus Dunkelheit, Kälte, der Unendlichkeit der Angst, und den Trümmern meiner stillen Träumerei, um Trost in den Armen eins Engels zu finden…“–  Ein Soldat presst seine Knie gegen seinen Unterarm und treibt einen Nagel durch die erste Hand, dann durch die andere. Schließlich beide Füße. Als die Römer das Kreuz aufrichten, platzieren sie ihn genau an der Position, an der er sterben sollte, zwischen Himmel und Erde, zwischen Menschen und Gott. Geräusche überall: spöttische Rufe, das Rasseln der Schwerter, das Stöhnen sterbender Männer. Er sagt wenig, schenkt seinen Mördern Gnade, seiner Mutter einen Sohn, bittet um etwas zu trinken. Dann senkt sich Finsternis wie ein Vorhang, unnatürlich, dunkle Nacht am hellen Tag. Der Himmel weint, das Universum trauert und er schreit! Des Himmels schönstes Geschenk an die Erde, das Lamm, das die Sünde der Welt auf sich nahm, brüllt in Schmerz. Mit letzer Kraft hebt er die schweren Augenlider, sein Haupt zu den Sternen: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich – verlassen?“ Dies Wort ist so schwer zu ertragen. Warum? Warum schrie Jesus Christus diese Worte? Auf ein Wort: damit wir es niemals tun müssen….

-Stefan Harrer-

Original Songtext in kursiv: Angel, Songwriter: Sarah Mclachlan © Sony/ATV Music Publishing LLC, Übertragung: Stefan Harrer

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Auf ein Wort: Im Land der ewigen Suche

Auch in einem neuen Jahr scheinen wir im Land der ewigen Suche zu leben, sollte man zumindest der Medienlandschaft glauben. Immer noch suchen wir schmusige Schwiegertöchter, barmherzigige Bauersfrauen, tumbe Tanzbären, naive Nacktinselnemos, trendige Topmodels, drollige Dschungelcamper, kulinarische Kochgurus und immer wieder gern den quotalen Quizzkönig. Warum will uns einfach die Kür eines nachrangigen Nationalbarden nicht gelingen, obwohl sich wöchentlich Tausende Freiwillige als möglich Möchtegernprominenzmärtyrer anbieten? Gerade wenn man denkt, dass der passende Heilsbringer gefunden ist, wird schon die nächste Suche gestartet. Liegt unsere dauerhaft blindwütige Orientierungslosigkeit an unserer nationalen Landeslenkung, die selber alle 4 Jahre mit aufwändig großem Casting und Votig gewählt wird, um hernach auf der Suche nach einem zukunftsorientierten Weg im Stillstand zu verharren? Oder liegt es an uns Indianer vom Stamme der „die-nie-ankommen-trotz-angestrengt-anhaltender Bewegung“ für die das Ziel nicht mehr das Ziel ist, sondern der Weg und die im Zweifelsfall lieber Tante Google befragen a la: habe mich ein bisschen mit Google Maps durch die die Stadt geklickt – Sonntagsspaziergang erledigt. Auf ein Wort: mit welcher Suche sind wir in dieses Jahr gestartet? Nach mehr Erfolg, Besitz, Reichtum, Anerkennung, Familienharmonie, Selbstverwirklichung? Hinter jeder Suche steckt eine Sehnsucht, z.B. nach Heimat, Geborgenheit, authentischer Liebe, dem wahren Leben, das verlorene Paradies. Doch tief im Herzen ahnen wir, dass kein Ding und kein Mensch, inklusive und selber, diese Sehnsucht je erfüllen wird können, dass unsere Sehnsuche über das Alltägliche, Banale, Irdische hinaus geht. Die Bibel weiß schon dieses Mysterium seit Anbeginn der Menschseins und rät uns: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34, Vers 15). Im Hebräischen spricht man von „Schalom“ und meint damit alles, was der Mensch zum Leben wirklich braucht: Frieden, Fülle des Lebens, Wohlbefinden, Glück, Zufriedenheit, Seelenruhe, Harmonie: alles passt zueinander, alles stimmt miteinander überein. Gott lädt uns ein, zu finden und zur Ruhe zu kommen. Jesus Christus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Er gibt das Leben und ist ein Freund und Liebhaber des Lebens, unvorstellbar und unermesslich, mehr als das „geliehene“, begrenzte und zerbrechliche Leben, über das wir als Menschen in der Zeit zwischen Geburt und biologischen Tod verfügen. Bei Gott ist die für uns unvorstellbare Fülle des Lebens, an die er uns schon in dieser Welt teilhaben lassen will, damit wir selbst zu Trägern des Lebens werden: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ (Johannes 14,27). In diesem Sinne: fröhliches Finden!

Stefan Harrer

Auf ein Wort: The show must go on…

„Wir leben in leeren Räumen – wofür? Verlassene Orte – was bleibt unterm Strich? Immer weiter und weiter! Weiß denn irgend jemand wonach wir alle suchen? Ein Held zu sein und doch verloren in sinnlosen Taten. Wir agieren wie Pantomimen, hinter einem Vorhang. Wer will sich das eigentlich alles noch antun? Die Show muss weiter gehen! Auch wenn mir das Herz innerlich bricht, Auch wenn mein Make-up langsam abblättert.“ – Der letzte Song auf dem letzten Studioalbum der erfolgreichen Band Queen – wie ein Vermächtnis. Ihr Frontmann Freddie Mercury, einer der erfolgreichsten Musiker des letzten Jahrhunderts. Kraftstrotzend und schier unersättlich hetzt Farrokh Bulsara, so sein Taufname, durch die Pophistorie. Queen, eine intelligente Band, mit Hochschulabschlüssen der Mitglieder und einer atemberaubenden Stilvielfalt. In Rio treten sie vor über 325.000 Fans auf. Freddie schien, als hätte er den Erfolg gepachtet, immer im Rampenlicht vor surrender Kamera. Für eine einzige Party gab er mehr als 50.000 Pfund aus. Nach wilden Exzessen zahlt er den Tribut für sein ausschweifendes Leben und stirbt 1991 an Aids. Einen Monat vor seinem Tod kommt „The show must go on“ als Single auf den Markt, in einer Zeit, als die Band mindestens ebensolche Popularität genießt wie Königin Elisabeth. – „Was auch passiert, ich nehme es, wie es kommt. Egal, ob Liebesleid oder eine weitere unerfüllte Sehnsucht. Immer weiter und weiter. Nicht mehr lange, und ich werde nicht mehr da sein. Draußen bricht gerade der neue Tag an, aber mitten in der Dunkelheit sehne ich mich danach frei zu sein. Die Show muss weiter gehen!“ – Kurz vor seinem Ende beschreibt Freddie Mercury in diesem Song seine Gefühlswelt offen und ehrlich. Er sucht den Sinn des Lebens und flüchtet sich in eine pseudo-hoffnungsvolle Botschaft: die Show muss weitergehen! Wer das Lied hört, spürt die Intensität und Gewalt, die er angesichts seines nahen Todes in die Stimme legt. Sein Lebensinhalt war es, sich für die Öffentlichkeit immer ins rechte Licht zu rücken, ganz oben zu schwimmen. Plötzlich schien ihm sein Leben nur noch sinnlos: eine Rolle in einer Show, das Make-up blättert ab. „Leere Räume“, „verlassene Orte“. Seine unheilbare Krankheit war die Folge seines pompösen Lebensrausches. Ohne Freddie Mercury hat Queen nie wieder einen Charterfolg gelandet. – „Meine Seele, bunt, wie die Flügel eines Schmetterlings. Seht her, ich kann fliegen, meine Freunde! Ich muss einfach den Willen haben, weiter zu machen. Weiter, einfach weiter mit der Show!“ – Weiter, einfach immer weiter? Auf ein Wort: welche Show spielen wir? Sind wir auch gefangen in unserem Suchen, unsern Süchten und Sehnsüchten? Gibt es jemand, der uns sagen kann, wofür wir leben? Ich denke schon. Die Bibel rät uns, unseren Frieden mit unserem Leben zu machen: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) –  Schalom! Unversehrtheit, Heil, Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit, Frieden und seelenruhige Harmonie zu finden, einen Friedenspakt („Pax“) mit unsrem Leben in klaren Grundsätzen zu schließen. Einen Schutzwall aus Freundschaft und Freiheit um unser Leben zu errichten, damit ein Raum der Liebe in Einklang mit uns und der Schöpfung entsteht, in dem die Harmonie des Paradieses als unsere Lebensmelodie aufklingt. – Jesus Christus spricht: „Wer aber von dem lebendigen Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten.“ (Johannes 4,13-14).

Songtext von The Show Must Go On © Sony/ATV Music Publishing LLC, Songwriter: Roger Taylor / John Deacon / Brian May / Freddie Mercury, Übertragung: Stefan Harrer

Auf ein Wort: Eat, Work, Sleep, Repeat

In unserer schnelllebigen Zeit ist die Halbwertszeit von guten Vorsätzen für ein neues Jahr so kurz wie nie. Gerade ist der Silvesterfeuerwerksfeinstaubnebel verraucht und die Erinnerung ist noch frisch an die guten Gründe, aus denen man etwas in seinem Leben verändern will. Aber in einer Woche sieht es wahrscheinlich schon wieder ganz anders aus. Was ist aus unserer „Guten-Vorsatz-Liste“ geworden? 1. Früher ins Bett gehen 2. Mein Leben komplett umkrempeln und aufräumen. 3. Weniger Zeit im Internet verbringen 4. Mehr Sport machen und 3 mal Joggen pro Woche 5. Mama regelmäßig anrufen. 6. Zahnarzttermin machen 7. Pünktlich sein 8. Gesünder essen, selber kochen 9. Mehr Zeit für das, was wichtig ist 10. Sich selbst und das Leben nicht immer so ernst zu nehmen. – Wahrscheinlich so etwas wie: 1. Vor 24 Uhr ins Bett gehen 2. Mein Zimmer aufräumen und in den Schränken verstecken 3. Mehr Zeit im Internet verbringen 4. Eine Fitness-App auf dem Smartphone installiert und 1 x Monat joggen 5. Mama mal anrufen 6. Lernen mit Schmerz umzugehen 7. Freunde, die es stört, nicht mehr treffen 8. Bestellen 9. Irgendwann irgendetwas ausprobieren – startet nächsten Montag 10. Ich brauche keine guten Vorsätze. Ich bin mit den schlechten noch gar nicht durch. OK, wenn schon nicht selber gestalten, bleibt uns also wieder nichts weiter, als auf unsere Ambiguitätstoleranz zu hoffen, ungewisse, unerwartete, ungereimte Situationen mutig zu ertragen. Denn unser Leben ist paradox: wie war das noch mit dem Schild auf der Wiese: „Betreten der Wiese verboten“ – Wie kam es dorthin? Oder der Windows-Aufforderung: „Wenn Ihre Tastatur nicht mehr reagiert, drücken Sie die Escape-Taste.“ Oder: je mehr Käse, desto mehr Löcher; je mehr Löcher, desto weniger Käse. Also je mehr Käse, desto weniger Käse? Und überhaupt: das einzig Beständige im Leben ist die Veränderung. Auf ein Wort : ich empfehle im neuen Jahr etwas mehr gelassene Heiterkeit, wie sie der US-amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr auf den Punkt bringt: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Die Geduld, mit Veränderungen, die ihre Zeit brauchen, und Wertschätzung für alles, was ich habe. Toleranz gegenüber jenen, mit anderen Schwierigkeiten und die Kraft, aufzustehen und es wieder zu versuchen.“ Bleiben wir auch 2019 heiter und gelassen, denn auch in diesem Jahr hält die Liebe Gottes beste Geborgenheit für unsere Seele bereit, wenn die Nöte des Lebens uns bedrängen, wenn erschreckende Ereignisse hereinbrechen und die Furcht wächst oder wir selber nicht Wort halten: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ (Psalm 91, 11). Behütet gehen wir leichter und zuversichtlicher los. Auf den holprigen Wegen und den Schnellstraßen unseres Lebens, um in der Spur zu bleiben auf unserer Reise in das das helle und weite Land der Zukunft…

-Stefan Harrer-

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Auf ein Wort: Das Gesicht Gottes

Das Gesicht Gottes

Advent, Weihnachten – ich liebe es! Glöckchenklang, Lebkuchenduft, Kerzenschein, strahlende Kinderaugen, die Luft voller Sehnen und Lieder, fröhliches Tummeln auf Weihnachtsmarkt & Co. tanzende Schneeflocken (zumindest in meiner Schneekugel), leuchtende Tannen-bäume, Harmonie und Kaminfeuer… – nicht weil das Advent wäre, sondern weil wir irgendwann in dieser Zeit die richtigen Fragen stellen. Ja, unsere Welt ist voller Fragen, wie z.B.: Dürfen Vegetarier Schmetterlinge im Bauch haben? Heißen Teig­waren Teig­waren, weil sie vorher Teig waren? Warum ist Wintereinbruch nicht strafbar? Ist eine Gesichtscreme, die 20 Jahre jünger macht, lebensgefährlich, wenn man erst 19 Jahre alt ist? Darf man in einem Wein­keller auch mal lachen? Und wo bleibt man eigentlich, wenn man sich verschluckt? Schaut man auch in Schulaufsätzen dieser Tage, merkt man schnell, dass Antworten Not täten, z.B. im Fach Religion. Frage: was wird am 31. Oktober in manchen Bundesländern gefeiert? Antwort: Der Informationstag zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags der 95 Prothesen von Luther Matthäus, der sagte der Papst als oberster Primat von Rom ist nicht die höchste Gewalt in der Küche. Oder: Wie geht die Weihnachtsgeschichte? Abraham und Eva waren auf der Suche nach einer Jugendherberge, weil der Herr Odes hinter ihnen her war. Da fanden Sie eine Scheune in Bruchtal, wo Jesus Christoph zur Welt kam. Nach dem der Kündigungsengel weg war, kamen 3 eilige Könige und brachten Geld, Weißkraut und Möhren vorbei. So steht es im neuen Temperament…Die Adventszeit lädt ein, Fragen zu stellen – und Antworten zu finden. Fragen, wie: worum geht es bei diesem Kind in der Krippe eigentlich und was hat das mit mir zu tun? Warum feiern wir Advent? Dies hat bereits einst ein Münchner Forschungsinstitut in einer Umfrage unter 700 Kindern getan. Hier ein paar interessante Antworten: „Weil es immer so gemacht wurde“, „damit es Winter wird“, „weil dann Oma kommt“, „damit die Geschäfte mehr verkaufen“, „damit man sich in der Familie mal wieder sieht“, „wegen der Stimmung“.Wie sehen unsere Fragen im Fluss dieser Tage unserer wirren Welt aus? Denken Sie gerade an die Arbeitsstelle, die Sie nicht behalten können? Den Tumor, der bei Ihnen gefunden wurde? Die Ehe, die Sie nicht retten konnten? Dem Chef, dem Sie nichts recht machen können? Geht es Ihnen wie dem kleine Jungen, der in der Weihnachtsgeschichte den Engel spielen und nur sagen sollte: „Ich bin‘s! Habt keine Angst!“ Und als es soweit war, nur hervorbrachte: „I bims und ich habe Angst!“..

Bethlehem, zur Zeitenwende: Eine junge Frau, ausgelaugt, kraftlos, übermüdet, viele Kilometer von ihrer Familie und ihrem eigenen Bett entfernt. Die letzten Tage hatte sie auf überfüllten, verstaubten Straßen bei winterlicher Kälte verbracht, fast ohne Geld, ohne warme Mahlzeit, weit, weit weg von ihren Freunden, mit nagendem Schmerz in ihrem Herzen. Gern hätte sie ihr Kind unter normalen Umständen zur Welt gebracht. Aber schwanger vor der Hochzeit und nicht von dem Mann, den sie heiraten sollte? Keiner glaubte ihre bizarren Erklärungsversuche. Dennoch hielt ihr Mann zu ihr. Ein Wunder. Genau wie die Geburt ihres Erstgeborenen in dieser armseligen Unterkunft, auf Stroh, mit Kühen als Zeugen und ihrem Mann als Hebamme. Maria stellte sich einst auch dieselben Fragen, bis sie, todmüde und in Schmerzen, ihr Kind in Armen hielt. Bis der, der mit seinen Füßen die Himmel durschritten hatte, um die Sterne ans Himmelszelt zu hängen mit seiner kleinen Hand ihren Finger hält. Leise flüsterte sie: „so sieht also Gott aus…“ Inmitten dieses Chaos wird eine Hoffnung geboren. Eine Zusage, die durch unser ganzes Leben tragen kann: Gott wurde Mensch, um zu erleben und zu fühlen, was wir durchmachen, um uns zu trösten, zu helfen, zu retten. Blicken wir dorthin, wohin Maria einst blickte – in das Gesicht dessen, der für uns kam: Jesus Christus.

– Stefan Harrer

Auf ein Wort: Stop and hear the music

Washington D.C. – an einem nasskalten Januar Morgen im Jahr 2007 stellte sich ein Straßenmusiker in eine U-Bahn-Station. Er spielte innerhalb von ca. 45 Minuten sechs Stücke von Bach. Während dieser Zeit herrschte starker morgendlicher Berufsverkehr. Nach 3 Minuten realisierte der erste Passant den Musiker. Er verlangsamte seinen Schritt und blieb sogar kurz stehen, eilte jedoch sofort hektisch weiter um augenscheinlich seine Termine einzuhalten. Eine Minute später erhielt der Musiker den ersten Dollar. Eine Frau warf das Geld im Vorbeigehen beiläufig in die Sammelmütze vor ihm. Erneut vergingen ein paar Minuten. Ein Mann blieb kurz stehen, um dem Geigenspiel zu lauschen. In den 45 Minuten, die der Musiker spielte, hielten insgesamt nur 7 Leute und blieben für eine Weile stehen. Etwa 27 gaben ihm Geld im Vorbeigehen, insgesamt 32 Dollar. Als er mit dem Spielen fertig war und Stille wieder in Metro einkehrte, bemerkte dies niemand. Allerdings wusste auch niemand, dass es sich bei dem Musiker um den Star-Geiger Joshua Bell, einer der talentiertesten Musiker der Welt, gehandelt hatte. Gerade hatte er in der U-Bahn-Station mit Bachs Kompositionen eines der schwierigsten Stücke, das je geschrieben wurde gespielt – das alles auf einer Geige im Wert von 3,5 Millionen Dollar. Noch zwei Tage zuvor hatte Joshua Bell ein Konzert in Boston gegeben – Eintrittspreis durchschnittlich 100 Dollar pro Karte. „Stop and hear the music“, ich bin mir sicher, dass dieses interessante Experiment der Washington Post auch heute noch die gleichen Resultate bringen würde, egal ob in Washington oder Esslingen oder wo auch immer. Wo ist sie hin, unsere Achtsamkeit für den Augenblick? Erleben wir noch die Magie des Moments oder sind wir unserer Alltagsroutine gefangen und verschenken so die Chance, uns von der Einzigartigkeit eines Moments überraschen zu lassen? Was hält unsere Wahrnehmung so gefangen, dass unser Gehirn in der Komplexität der Sinneseindrücke diesen einen Augenblick als unwichtig oder nicht beachtenswert kategorisiert? Der glücklichste Moment unseres Lebens ist: jetzt! Wenn wir jetzt nicht leben, leben wir gar nicht. „Kommt her, folgt mir nach!“ ruft uns Jesus Christus zu. Berufung geschieht, wenn die Zeit reif geworden ist für Veränderung, für den Aufbruch aus dem Gewohnten und seinen Grenzen, um unsere Fähigkeiten weiter zu entfalten und daraus neue Möglichkeiten werden zu lassen. Jetzt ist die Zeit zum Leben! Leben in seiner ganzen Fülle und Tiefe ist möglich. Jesus will einen Mehrwert an Leben für uns. Er, der uns sagt: „Fürchtet euch nicht!“, will nicht, dass wir am Leben vorbeileben, den Moment verpassen. Er ruft uns heraus aus den eigenen vier Wänden zu Begegnungen, zum Einsatz für unsere Mitmenschen, zu Momenten erfüllter Zeit, zum Leben in Fülle. Seien wir achtsam für den Augenblick. Hören wir seinen Ruf! Lassen wir uns von ihm herauslocken aus der scheinbaren Sicherheit der Langeweile auf den spannenden Marktplatz des echten Lebens. Die Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft ein Geheimnis, der Augenblick ein zeitloses Geschenk… Stop and hear the music. Halten wir inne und lauschen der Melodie Gottes für unser Leben…

-Stefan Harrer-

Auf ein Wort: You’ll never walk alone

Wenn du durch einen Sturm gehst, blicke auf und habe keine Angst vor dem Dunkel. Am Ende des Sturms wartet eine goldener Himmel auf dich und das süße Lied einer Lerche Gehe weiter durch Wind und Regen auch wenn deine Träume durcheinandergewirbelt werden. Gehe weiter mit Hoffnung im Herzen, den du gehst nicht allein. Du wirst nie alleine gehen – You‘ll never walk alone… 2009 in Hannover bei der Trauerfeier für den verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke. Eine 17-Jährige singt dieses Lied, einfach die Melodie, langgezogene Töne, den Text, den jeder mitsingen kann. Gänsehaut pur, 35.000 Menschen weinen. Klar, Musik hat immer was mit Gefühl und Emotion zu tun. Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. Dazu der Text: die Liebe bleibt, die Hoffnung stirbt zuletzt – der perfekte Titel in den Niederlagen des Lebens. Ein Psalm unserer Zeit, geboren aus unserer tiefer Sehnsucht nach Gemeinschaft. Der Blueprint dazu steht in Psalm 23. Lauschen wir einen Moment dem Original: Der Herr ist mein Freund und Helfer; was ich brauche, lässt er mir zukommen. Er zeigt mir die Fülle des Lebens und bringt meine Möglichkeiten zum Gelingen. Mit Freude und Zufriedenheit erfüllt er mich. Auf meinem Weg ist er mir Halt und Orientierung, um seiner großen Liebe willen. Da, wo ich Angst habe und mir verlassen vorkomme, erlebe ich seinen Beistand. Im Angesicht meiner Mutlosigkeit und Verzagtheit, zeigt, er mir, wie wertvoll ich bin, und schenkt mein Glas übervoll mit Lebensmut und Zuversicht. Herzlichkeit und Verständnis begleiten mein Leben lang und ich werde mich bei dir, Gott, allezeit zuhause und geborgen fühlen – ich brauche nicht allein zu gehen….Nehmen wir 3 Dinge in die Stürme unseres Lebens mit 1. Halten Sie zusammen und das fest, was Sie verbindet. Lassen Sie sich in den Stürmen des Lebens nicht beirren. „I’m still standing“, noch so ein Lied: Ich stehe immer noch aufrecht… 2. Bleiben Sie sich treu. Sie haben etwas Einzigartiges zu geben. Denken Sie dran, die Arche wurde von Laien gebaut, die Titanic von Fachleuten. Bauen Sie Brücken mit Ihrem Leben, über die Gier, Arroganz, Ignoranz unserer Gesellschaft hinweg. Lassen Sie die Klagen sich selbst beklagen und suchen stattdessen, wo sich der Segen Gottes finden lässt. 3. Ziehen Sie sich nicht zurück, sondern folgen Sie Jesus Christus nach, wie er es uns vorgelebt hat: empathisch, barmherzig, zuversichtlich. Auf ein Wort: Haben Sie keine Angst in Spott, Widerständen, Anfeindungen. Sie gehen nicht allein. Gott ist bei Ihnen. In Liverpool, Dortmund, St. Pauli oder wo auch immer, denken Sie im Sturm daran und beginnen sie zu von Gottes Liebe zu singen: ich brauche nie alleine zu gehen…

-Stefan Harrer-

Auf ein Wort: Der Bierdeckel lebt!

Was ist süß und klebrig und schwingt von Baum zu Baum…? ein Tarzipan. Was lebt in der Savanne und ist immer sauber? Eine Hygiäne. Was ist blind, grün und spielt hervorragend Klavier? Kiwi Wonder. Was ist schwarz-weiß und sitzt auf einer Schaukel? Ein Schwinguin. Was ist grün und spielt E-Gitarre? Ein Rockodil. Was liegt am Strand und ist schwer zu verstehen? Eine Nuschel. Wie nennt man ein weißes Mammut? Hellmut. Was ist braun und hüpft durch den Wald? Ein Jumpingnon. Was ist rot, qualmt und hüpft über die Wiese? Ein Kaminchen. Was ist grün und klopft an der Tür? Ein Klopfsalat. Was ist braun und schwimmt im Meer? Ein U-Brot. Was ist violett und sitzt in der Kirche ganz vorne? Eine Frommbeere. Was ist bunt und läuft über den Tisch davon? Ein Fluchtsalat. Was ist braun, süß und rennt durch den Wald? Eine Joggolade. Was ist groß, grau und telefoniert aus Afrika? Ein Telefant. Was ist braun, sehr zäh und fliegt umher? Eine Ledermaus. Was macht „Muh“ und hilft beim Anziehen? Ein Kuhlöffel. Was ist viereckig, hat Noppen und einen Sprachfehler? Ein Legosteniker… Auf ein Wort: Ein Buchstabe kann ein Wort verändern. Ein Satz ein ganzes Leben. Für mich steht solch ein Satz in der Bibel im Johannes-Evangelium, Kapitel 3 Vers 16: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ Ein Vers wie ein Lichtblick aus 28 Wörtern. Gottes Lebensreform für uns, die auf einen Bierdeckel passt. Einfach, verständlich, eine Chance – Gott liebt, er gibt, wir glauben, wir leben. Ein Alphabet der Gnade, ein Leuchtturm in der Nacht, eine Zusammenfassung christlicher Hoffnung, ein Sicherheitsdepot für stürmische Zeiten in einer Welt voll Herzensbrecher, Hoffungskiller, Traumtänzer, Schlauschwätzer, Hofsänger, Machthungriger, Besserwisser, Selbstdarsteller, Stinkstiefel, Aussitzer, Wankelmütiger, Angsthasen, Opportunisten, Ignoranten, Despoten, Ehrenkäsiger, Lobbyisten,… für uns Menschen GmbH (Gemeinschaft mit berechtigter Hoffnung). Gott gibt uns keine abstrakte Idee, sondern seinen fleischgewordenen Sohn, der bei uns auf der Terra Titanic an Bord gegangen ist. Nicht, um Stühle zu rücken, sondern um uns eine Rettungsweste zu reichen – werden wir sie annehmen?
-Stefan Harrer-

Auf ein Wort: Homo Musicus

„Nachdem ich Chopin gespielt habe, fühle ich mich, als hätte ich über Sünden geweint, die ich nie begangen habe, und über Tragödien getrauert, die nicht die meinen sind“, so Oscar Wilde. Auf ein Wort: das haben wir alle schon einmal erlebt. Musik wirkt auf uns. Zu Tränen gerührt, mit sich über unseren Rücken jagenden Schauern, getrostpflastert, immanent erhaben mit freudig-bangem Herzzittern oder Gänsehaut: Musik ergreift uns, Musik ist eine Kurzschrift des Gefühls. Ein Film ohne Musik kann meistens keine Emotionen transportieren. Ob mathematisch-rhythmisch vorwärtstreibend oder nonchalant Fuß mitschwingend – nie war soviel Musik wie heute. Im Auto, in der Küche, im Supermarkt, kein Wartessaal ohne Dauerberieselung, dass selbst Ungeborene bereits die Gesetze der Harmonie mit stenographieren können. Dabei ist Musik vielfältig und alt, kennt eine Vielzahl von Stilen und Traditionen. Der alte Ägypter blies schon die Doppelrohrblattpfeiffe, der antike Sumerer zupfte Harfe und Leier ganz ohne loderndes Feuer und Dur und Moll, die erst im 16. Jahrhundert in der westlichen Welt entstanden. Aber Musik verdankt ihre Wirkung nicht nur kultureller Konvention, sondern ihr Gehalt ist in einer universellen Sprache verfasst. So wie ein Lichtstrahl die Augen anspricht, und ein Duft die Nase betört, scheint ein Akkord den Gefühlsinn des Menschen zu reizen. Musik hat erwiesener Maßen tiefgreifende Wirkung auf das limbische System, das Tor zur Emotion, einer Region in unserem Gehirn, die glücklich macht. Musik hat darüber hinaus eine uralte und wichtige Funktion für uns. Gemeinsames Musizieren senkt z.B. bei Männern, die Konzentration des Agressionshormons Testosteron und die Ausschüttung des Stresshormons Cortison. Die Produktion des Hormons Oxytocin hingegen, das soziale Bindung fördert, wird angeregt. Angst und Spannung wird abgebaut, die Solidarität wird erhöht. Zu allen Zeiten wirkte Musik so. Zusammen zu musizieren, zu tanzen oder Musik zu hören, schweißt Menschen zusammen. Nationalhymnen, Arbeitslieder, Partymusik, Stadiongesänge singen ein Wiegenlied davon: Musik als eine sinnstiftende Kraft. Eine vereinende Macht. Mit heilend-heiliger Legitimation. Musikalität ist eine uralte menschliche Fähigkeit, ein kreativer Spielplatz des Bewusstseins zur Entwicklung von Fantasie und geistiger Beweglichkeit, die uns als Homo Musicus aus dem Dschungel geholt hat. Oder wie es der Hamburger Lyriker Hermann Claudius (1878–1980) voller Emphase formulierte: „Musik, du bist die tiefste Labe, die aus der Menschenseele quoll. Bist Gottes allerbeste Gabe, da seine Güte überschwoll“. Und um wie viel größer muss dann der Geber dieser großartigen Gabe sein?

-Stefan Harrer-

Auf ein Wort: Die Symphonie der Stille

Ein furioses Finale: fortissimo, frenetico, feroce, aufsteigend, aufbrausend, aufrührend und subito – Stille, Schweigen, Silentium. Der Tag, nachdem ein Gebet gesprochen wurde, aber keine Antwort kam. <tacet> Der Tag, nachdem eine Seele am Boden zerstört wurde und es keine Anzeichen gibt, dass sie sich je wieder erheben wird. <lacrimosa> Der Tag, der sich wie schweres Blei auf unsere Seele legt und den letzten Funken Lebensfreude erstickt. <vibrato> Karsamstag, der Tag dazwischen – zwischen Verzweiflung und Freude, zwischen Verwirrung und Klarheit, zwischen Finsternis und Licht. <indeciso> Das Adrenalin ist weg, der Schrecken vorbei und die Gewissheit reift – irgendwie muss es weitergehen. <lento> Noch einmal in Erinnerungen schwelgen, Hoffnungen und Träume, die Welt zu verändern. Der Versuch zu verstehen, wie das passieren konnte. Ikarus Abschied vom Fliegen. Heute ist der Tag, an dem unser Traum gestorben ist. <con dolore> Wir wachen auf und stellen fest, dass wir immer noch leben, dass wir irgendwie weiter müssen, wissen aber nicht wie und wozu. <poco a poco> Der Tag von Gottes Schweigen… Sie verlieren Ihre Arbeitsstelle. Sie verlieren Ihre Gesundheit. Sie verlieren Ihren Freund. <molto triste> Das Leben scheint wie ein einziger Unglückstag, der sich endlos wiederholt. <da capo> Mutlos, einsam, resigniert – unser Tod hat viele Namen. <senza tempo> Wir können uns für Verzweiflung entscheiden. Mit Enttäuschungen leben lernen, still, heimlich, zurückgezogen – besser wird’s nicht mehr. Am besten nie wieder auftauchen. <desolato> Oder wir können uns für Verleumdung entscheiden, billige Erklärungsversuche, gemimtes Maskenspiel, verdrängtes Menschsein. <capriccioso> Es gibt aber noch einen dritten Weg: Warten. Fragen, Jammern, Klagen, ja, und doch vertrauen. <crescendo> Gott, warum hörst du mich nicht? Gott, wo bist du? <ostinato> Gott wir lassen dich nicht los, bevor du uns nicht gesegnet hast! <ritardando> Glauben suchen und Leben finden. Hinabgestiegen in das Reich des Todes, so sprechen wir im Glaubensbekenntnis. An jenem Tag ist Jesus hinabgestiegen, um jedes Leid und jeden Tod zu durchleben, um uns zu retten. <libero> Er hat den Tod bezwungen, weil er sich ihm unterworfen hat. Karsamstag – Gott ist tot, begraben, es ist vorbei. Es bleibt nichts anderes, als zu warten und auf Gott zu vertrauen. <largo> Etwas, was wir niemandem delegieren können, Hoffnung und Zuversicht. Heute wissen wir, dass Ostern kam, am dritten Tag ist die Hoffnung geboren worden. Eine neue Grundlage, auf die unser Leben aufbaut. Gestern geschah das Unheil und am dritten Tag kommt die Rettung. <adagio> Auf ein Wort: darin sollen wir uns stärken in Zeiten der Not, wenn der Unstern nicht weichen will, wenn dumpfe Mutlosigkeit unsere Kraft aufzehrt, wenn Gott stumm ist. <declamando> Lassen wir ihn nicht los. Vielleicht steht unsere Errettung kurz bevor? Ostersonntag, der Tag, an dem Gott alle Tränen abwischen wird, an dem Gott sein wird alles in allem. Bis dahin ist Karsamstag – ein Tag zwischen Gestern und Morgen. <placido> Mit Tränen im Gesicht blinzle ich der Sonne entgegen und mein Herz lauscht – der Symphonie der Stille…. <fine>.

-Stefan Harrer-

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