Willkommen

Sieben Musiker und Sängerinnen aus unterschiedlichen christlichen Gemeinden und Kirchen in Esslingen und Umgebung bereichern Ihre Gemeindeveranstaltung mit populärer christlicher Musik. Auf dieser Internetseite erfahren Sie alles Wissenswerte.

Auf ein Wort: Wer hätte das gedacht…

Hätten wir vor Corona gedacht, dass wir einmal täglich dem Podcast eines Virologen mit Spannung lauschen und dass unser Informationsbedürfnis so groß wird, dass wir dazu gar unsere eigene Social-Media-Bubble verlassen? Dass wir einmal wie in eine Zeit reisen, in der das Wort Mobilität noch nicht erfunden war und in der der Himmel blauer, leerer, leiser, freier atembar ist? Dass wir einmal weniger hedonistisch konsumieren werden, sondern nur, um die Familie durchzubringen? Dass man auch ohne die Verlockungen des Marktes und der Eventindustrie überleben kann, ohne ständig das eigene Dasein zu optimieren? Dass Bescheidenheit, Lesen, Puzzeln, Spazieren gehen sexy ist, Konsolen und Streaming ins Boreout führen und dafür Do It Yourself und die Kompetenz in der Küche einen Schub erleben? Dass man mehr erträgt, als man glaubt und wer bisher getrieben war von einer Unruhe, alles zu verpassen, entschleunigt und ruhiger, näher zu sich kommt? Dass man sich wieder aufs Büro mit all seinen Menschen freut, nachdem wir auf breiter Basis digital, dezentral und multimedial arbeiten, lehren und lernen gelernt haben?  Dass der Gang zum Supermarkt unser Wochenhighlight sein wird und dass es dort Türsteher gibt, die uns nicht reinlassen? Dass einmal Toilettenpapier zu einem Wertpapier wird und dass wir, aus Bedürfnis, irgendetwas zu tun, um uns und unsere Familie zu schützen, zu Hamstern mutieren? Dass uns dämmert, dass Gesellschaft kein Soloprogramm für Individualisten, sondern ein Für- und Miteinander sozialer Individuen ist? 

Auf ein Wort: Krisen bieten Chancen, Dinge anders zu sehen, zu denken, dass nichts bleiben muss wie es ist. „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet“: ein stimmiger Dreiklang für unser Leben. Eine weittragendere Melodie als der Ich-will-alles-sofort-Akkord von gestern. Eine Einladung trotz wechselnder Tonarten und Dissonanzen, trotz wechselhafter Ereignisse und Erfahrungen, sich tragen zu lassen von der gottgewobenen Sinfonie unseres Seins und dem Konzertmeister des Universums unser Vertrauen dazu zu schenken. Wer Sologeige spielen will, braucht ein Orchester, das mitspielt, einen Dirigenten, der unser verstimmtes Herz dieser Tage zum Klingen bringt: der Weg zu Leben in Resonanz mit Nachhall geht mit anderen, mit Gott. Um Takt zu halten, wenn die Corona-Krise einmal vorbei sein wird. Denn die Menschheit hat ein kurzes Gedächtnis, dafür große Unrast unserer Wünsche Flug, besonders wenn die eigene Gestaltungsfreizeit oder das finanzielle Wohlergehen tangiert wird….

-Stefan Harrer-

Photo by Edwin Hooper on Unsplash

Auf ein Wort: Sitting in one boat

Die Botschaft von Ostern ist einfach, wie alle Wahrheit eine einfache Sprache spricht: Gott schuf den Menschen. Der Mensch wies Gott zurück. Aber Gott wird nicht aufgeben, bis er den Menschen zurückgewonnen hat. Dazu wird Gott in Jesus Mensch, tauscht ganz viel gegen ganz wenig ein, weil er lieber für uns in die Hölle als ohne uns in den Himmel gehen will. Aus Liebe lässt er seine für uns offenen Arme an einem Kreuz festnageln, um uns zu zeigen, die Türen des Himmels sind offen – für uns.

Und wir? Gestern waren wir uns doch gewiss, dass wir nur uns selber brauchen, um den Himmel auf Erden zu holen. Wir fühlten uns stark, alles zu können. Haben unerschrocken immer schneller am großen Rad von Wachstum und Fortschritt gedreht ohne auf die zu achten, die schon lange nicht mehr mitkamen, unseren Planeten inklusive. Wir glaubten in dieser kranken Welt für immer jung, sicher und gesund bleiben zu können. Plötzlich taucht auf unserer Lebensreise ein Corona-Eisberg auf und uns wird schlagartig, schmerzlich klar, dass wir alle im selben Boot sitzen, orientierungslos, verwundbar und in unserer Ungewissheit ist nur noch eines gewiss: es ist an der Zeit, das Ruder rumzureißen, damit die Bordkapelle demnächst nicht den Abgesang spielen muss. Statt Traumschiff-Käpt‘nsdinner sind wir nun alle dazu aufgerufen, gemeinsam zu rudern, uns beizustehen, da niemand sich allein retten wird.

Vielleicht ist Ostern in diesem vervirten Jahr eine zweite Chance für unsere Terra Titanic. Jesus Christus kam aus einem einzigen Grund auf die Erde: um uns diese zweite Chance zu geben. Er lebte das Leben, zu dem wir nicht fähig waren, und ertrug die Strafe, die uns zu schwer war – um uns eine Hoffnung anzubieten. Brauchen wir nicht gerade jetzt jemanden, dem wir vertrauen können und der größer ist als wir? Bei Gott gibt es kein zu spät, zu früh, zu schnell, zu langsam. Sein Zeitplan ist nicht unser Zeitplan, aber immer passend: spätestens rechtzeitig wird er denen helfen, die ihn bitten, die ihm vertrauen, damit Krankes gesund, Falsches richtig, Verbogenes gerade wird. Wir haben auf diesem Lebensboot angeheuert, unterwegs zu einem Traum von morgen, der uns Kraft und Mut für heute gibt. Lernen wir den wirklichen Kapitän kennen. Lernen wir von ihm. Damit wir in Stürmen nicht in Panik geraten, nicht aufgeben, geduldig bleiben, uns daran erinnern, dass unser Kapitän als erwiesener Sturmstiller immer noch alles unter Kontrolle hat. Es ist nicht mehr wichtig, wie stark ich bin, sondern wie stark Gott ist. Mit einem einzigen Leben gab er dem Lauf der Welt eine neue Wendung. „Rinascero, Rinascerai“,die beiden italienischen Künstler Roby Facchinetti und Stefano D’Orazio haben ein Lied anlässlich des Corona-Notstandes in ihrer Heimatstadt Bergamo geschrieben. Alle Einnahmen daraus werden vollständig gespendet. Es könnte auch das unsrige an Ostern 2020 werden: wir werden auferstehen!

-Stefan Harrer-

Auf ein Wort: #Coronatimes

Liebe Freunde unserer Musik,

Corona hat momentan unsere Welt fest im Griff. Unser Leben hat sich binnen Tagen verändert und ist nicht mehr so, wie wir es kannten. Fast ohnmächtig spüren wir unsere Grenzen. Wir müssen auf Vieles verzichten, wodurch unsere Sehnsucht umso mehr zu spüren ist. Wir leben Gemeinschaft entdichtet, auf Abstand, wir leben veranstaltungsfrei, von einer Absage zur nächsten. Alle Gottesdienste sind mittlerweile verboten. Aber nicht alles ist abgesagt. Vieles war und bleibt für immer angesagt: Zuwendung und Zusammenhalten, Lächeln und Freundlichkeit, Phantasie und Musik, und für immer Glaube, Hoffnung und Liebe. Wir sind fest überzeugt, dass Gott größer ist als das Coronavirus. Und wir haben die einzigartige Möglichkeit, uns durch Gebet mit Gott zu verbinden, der nie versiegenden Quelle unseres Lebens. Also Kopf hoch, zum Himmel. Es gibt keinen Sturm in unserem Leben, den Gott nicht stillen könnte. Wir grüßen euch mit einem alten, zeitlosen Songtext von Hella Heizmann nach Psalm 91,11, leicht von uns an die momentane Situation angepasst und ergänzt: 

Denn er hat seinen Engeln befohlen

Wer auf Gott vertraut, braucht sich nicht zu fürchten
vor den Träumen der Nacht und in der Krisenzeit.
Er darf mit Hoffnung in den neuen Tag gehen.

Wer auf Gott vertraut, darf sich sicher wissen
In den Händen der Liebe, die ihn halten.
Er darf mit Freude Gottes Hilfe sehen.

Wer auf Gott vertraut, kennt den Regenbogen,
der nicht vor, sondern nach dem Sturm erstrahlet
denn bei Gott währt kein Dunkel ewig.

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
Dass sie dich behüten.
Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
Dass sie dich beschützen Tag und Nacht.

Eure Väterband & Vocals

Auf ein Wort: #Neulich… ohne Biss im Bus

Fastenzeit – da sind sie wieder, diese besonderen 40 Tage der zweiten Chance zu gutem Vorhaben, nachdem wir mit unseren Neujahrssätzen garantiert schon durch sind. Noch einmal alle Willenskraft gesammelt, um dem Ideal von Bikinifigur und Waschbrettbauch näher zu kommen, damit die Schokolade nicht schon wieder überraschend gewinnt. Aber diesmal professionell: realistische Ziele an die Türschranktür geklebt, Motivationsspruch auf den Spiegel geschrieben: „Es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun!“ Und ja, ich handle aus eigenem Antrieb und ab sofort werden alle Zweifler ignoriert: Fastenzeit – here I come!

Aber dann das: fast nachts finden wir uns in einem Restaurant wieder, der Ober reicht die pralle Speisekarte voller Verlockungen. Reinschauen kostet ja nichts und ich habe ja eh schon vor, nur ein Mineralwasser zu nehmen. Vielleicht mit ein bisschen Zitrone. Und ein wenig Eis. So eine Kugel Vanilleeis wäre jetzt schon ganz schön. Oh, ich sehe gerade, hier gibt‘s Tiramisueis. Na, dann vielleicht gleich Tiramisu. Ach ja und dazu passt doch Panna Cotta mit einer Kelle heißen Himbeeren. Ein paar Früchtchen sind sicher nicht schädlich. Und dazu Mandeln, am besten gebrannt, mit einer Stange Toblerone. Schokolade hat eine lange kirchliche Tradition, nicht das Fasten zu brechen. Aber damit das Süße nicht zu dolle wird, etwas Pasta, locker und schwerelos aufgeschlagen, mit frühlingshaften Sauce Hollandaise. Für die Optik noch ein Stück Pizza aus der leichten mediterranen Küche. Und so ein Cheatday ist doch sicher gut für die Motivation, damit morgen wieder die Flowersprouts und Zoodles schmecken. Überhaupt: wozu mache ich das alles? Irgendwann ist die stärkste Willenskraft erschöpft… Egal, welch Fastenziel wir uns gesetzt haben, wir werden immer wieder eine Reihe von Hemmnissen erleben: Lustlosigkeit, Angst, Ziellosigkeit, Ablenkungen, Aufschieberitis, dass man für Erfolg kämpfen muss und dass dabei Biss helfen würde. Ein Teilerfolg wäre dabei schon, herauszufinden, wer der Busfahrer unseres Lebens ist, wer dort am Steuer sitzt. Wir oder andere Dinge? Überlassen wir das nicht anderen Chauffeuren – sondern dem besten und vertrauenswürdigsten Fahrer, den es gibt: Gott höchstpersönlich, der das Beste für uns im Sinn hat, der uns nach Hause bringen möchte, Bikinis gibt’s in allen Größen und Farben, und wer weiss denn heute noch, was ein Waschbrett ist? Nichts geht über ein gutes Herz – und unseres hat Gott fest im Blick….

-Stefan Harrer-

Auf ein Wort: #neulich…in Nambia!

Kennen Sie Nambia? Keine Sorge, ich auch nicht. Das liegt wahrscheinlich irgendwo nirgendwo neben der schönen Stadt Belgien. Jedenfalls kennt es einer der Lenker unserer Welt, seines Zeichens amerikanischer Präsident, der ja über alternative geografische Kenntnisse verfügt. Die gute Nachricht dabei ist jedoch, kristalline Intelligenz, also alle Dinge, die wir im Laufe des Lebens, z.B. auch vielleicht auch in der Schule erlernt haben, lassen sich bis ins hohe Alter memorabel trainieren. Wie sieht es aber mit unserer fluiden Intelligenz aus, unserer beweglich-geistigen Kapazität, Dinge koordinativ–kreativ zu verknüpfen? Oder unserer emotionalen Intelligenz, Gefühle empathisch wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen? Ganz zu schweigen jetzt von unserer sprachlichen, linguistischen, musikalischen, logisch-mathematischen, räumlich-bildlichen, körperlich-kinästhetischen, intrapersonalen, interpersonellen, naturbezogenen, existenziellen, physischen, kognitiven Intelligenz? Bei so viel Intelligenzen ist es allenthalben verständlich, dass wir versuchen, immer mal wieder nach Narhalla zu entfliehen. Trotz alledem empfehle ich nachdrücklich: natürliche Intelligenz! Diese beginnt mit einem Danke. Danke für all das, was wir vermissen würden, wenn es nicht mehr da wäre, sei es Lebenskraft und Lebensmöglichkeit, Lebensgefährten und Lebenszeit. Und der Einsicht, dass alle Gaben Gaben auf Zeit sind, denn mitnehmen werden wir nichts können. Danken wir nicht dem Urknall, der uns zufällig auf einen mikroskopisch kleinem Planetenkrümel als unbedeutende Gebilde aus Kohlenstoff und Wasserstoff ausgeworfen hat, sondern Gott, dem Schöpfer und Geber, der meine vergängliche Ich AG in seine Ewigkeit bettet. Und sie endet mit Bitte. Bitten wir um Verzeihung, wo wir uns zu wichtig nahmen und das Du vergaßen, aber auch in unseren großen Schicksalsfragen ist Gott erste Adresse für unser Bitten und Beten für Gesundheit und Arbeitsplätze, politische Stabilität, für eine menschliche Wirtschaftsordnung, für Frieden oder ganz persönlichen Anliegen. Weil Menschen hier nicht helfen können, wie Eingangs zitierter, angeblich bester Präsident, den Gott je erschaffen hat, der seine Weisheit unaufhörlich in die Welt tweetet a la: „Es schneit und friert in New York. Wir brauchen globale Erwärmung!“ Bauen wir unser weises Haus, dass es auf ewig stehen bleibt, auf dem festen Fundament, das Jesus Christus uns gegeben hat.

-Stefan Harrer-

Auf ein Wort: Neulich im Neujahr

 

Neulich im Neujahr

Neulich habe ich zufällig meinen Motivationskalender von 2015 wiederentdeckt, den ich bisher kein einziges Mal angeschaut hatte, randvoll mit noch unberührten Sinnsprüchen. Kaum sind die Glückskeks- und Tischfeuerwerksorakel verpufft, sehen wir wieder der bitteren Wahrheit ins Auge, dass auch das neue Jahr dieselbe Lebenssuppe mit Wasser und beschränktem Haltbarkeitsdatum kocht. Trotz aller guten Vorsätze, Wünsche und Bekundungen hat sich scheinbar gar nichts verändert: wir sind weder schöner, jünger oder reicher geworden und die Hosen kneifen immer noch an altvertrauten Stellen.

Und doch: da bricht ein neues Jahr an und der Himmel über uns ist zwar nicht anders, aber doch ist einem irgendwie für den Moment frischer, jünger, ungebrauchter zumute auf dem Losfeld unseres Lebensmonopolys. Das ist der Zauber des Neuen, der Sehnsucht, der Hoffnung, auf unserer nächsten Jahresrunde durch 365 Lebensfelder, Glück zu gewinnen und uns nicht zu verlieren im Rausch des Geldes oder anderer Ungewichtigkeiten. Den Blick nicht zu verlieren auf das Wesentliche. Denn eines Tages, das ahnen wir tief in unserem Herzen, wird für uns das Spiel zu Ende sein. Und so hoffen und sehnen wir uns weiter. Nach keinem Da Capo des immer Gleichen immer wieder, sondern dass das, was schiefläuft, gerade gerückt wird, dass das Leid ein Ende hat, nach sauberer Luft und prima Klima, nach sinnvollen Tätigkeiten, mehr Ehrlichkeit und Treue in der Welt, endloser Schönheit, keiner Einsamkeit und keinem Krieg mehr.

Ein gutes Motto für das neue Jahr ist, so finde ich: Lache, lebe, liebe. Nimm dich nicht so ernst, lache öfter in einer Runde mit Freunden, lass das Lachen Gottes, das in seiner Schöpfung wiederhallt, dein Herz erfüllen. Sei lebendig und nicht gelebt, sei mit anderen unterwegs zu einem Ziel, beginne mit Gott, dem Erfinder alles Lebens, Schritte zu wagen oder weiter zu gehen. Liebe, dich selbst, andere, Gott. Leere deine Hände, leg ab das schwere Herzensgepäck, werde langsamer, ungeplanter, fange und umarme das Licht, das seit Weihnachten aus der Krippe scheint, mit leeren Herzen und Händen und entdecke neu in und über dir – frischen, unberührten Himmel…

-Stefan Harrer-

Gutes Neues!

Liebe Freunde! Wir wünschen euch ein gutes Neues Jahr! Seid gesegnet und getragen von Gott, unserm Herrn.

Auch in 2020 – wie bitte? 20 Jahre „Die Väter – Band & Vocals“ ? – laden wir euch wieder ein, in Gottesdiensten und Konzertevents IHN zu loben, seine froh machende Botschaft zu hören und das alles durch die Musik der Väterband mit den fantastischen Vocals.

Schon gesehen? Unsere aktuell schon fest stehenden Termine sind online. Schaut rein und kommt vorbei.

Photo Happy New Year by Crazy nana on Unsplash

Auf ein Wort: Advent #3

Neulich in der Stille

Advent heißt Stille.
Nein, die Wahrheit ist,
dass der Advent nur laut und schrill ist.
Ich glaube nicht,
dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann,
dass ich den Weg nach innen finden kann,
dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt.
Es ist doch so,
dass die Zeit rast.
Ich weigere mich zu glauben,
dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint,
dass ich mit anderen Augen sehen kann.
Es ist doch ganz klar,
dass Liebe fehlt.
Ich kann unmöglich glauben,

nichts wird sich verändern.
Es wäre gelogen, würde ich sagen,
Liebe kommt auf Erden.

 

„Irgendwo auf der Welt geht immer gerade die Sonne auf“, so der junge Moderator neulich im Nachrichtenkanal. Unwiederbringlich vorbei sind die Zeiten von Testbild, Pausenzeichen, Sendeschluss, Mittagspause, Sperrstunde, Anstehen am Telefonhäuschen. Unsere Welt ist permanent an, der Medienfluss ist immer da, überall. Und wir schwimmen mittendrin in Informationsströmen unausgesetzt, polyphon, permanent. 9 to 5 war gestern, 24 -7 ist heute, immer, hier und jetzt. Früher kam der Postbote einmal am Tag, heute kommt er ununterbrochen. Früher röchelte sich das Modem langsam ins Internet. Heute durchleben wir schwerste Lebensstörungen, wenn die 4 apokalyptischen Reiter unserer Zeit: kein Netz, kein Empfang, kein Akku, kein Download, einmal bei uns vorbeireiten. Immer neue Verbindungsformen öffnen sich, die den Tagesablauf, zunehmend porös machen, osmotisch, alles wird durchlässiger, eine unendliche Zahl von Ablenkungen tut sich auf und die Arbeit plätschert über Dienstschluss hinaus ins Private und umgekehrt. Emails, Instant Messenger, Social Media,im Lala-Land des WWW, des weltweiten Weihnachtsmarktes, Black Friday, Cyber Monday, private Insolvenz am Dienstag, wer nicht abbrennt oder ausbrennt, ist immer da, immer mit Vollgas auf der Datenautobahn mit unbekannten Ziel in dieser vergänglichen Ewigkeit des Immer. Und nun kommt wieder dieser Advent und bald Mr. X-man um die Ecke und lädt uns ein, innezuhalten, nachzudenken, den Staub von der Seele zu bürsten. Aber mal Hand aufs glühweinwarme Herz: haben wir heute schon gelacht? Den Anderen wahrgenommen? Unser Leben auf Seelenfrieden abgehört? Mensch, halt an, schau hin, hör zu – was ist! Schweigendes Innehalten – geht das in unserem multimedialen Klangsirup überhaupt noch? Stille hat keine Lobby, kann nicht schreien, trotz aller Lärmkosmetik ist es erst still, wenn wir unseren eigenen Atem hören können. Als Einladung zum Nachfühlen, Wirkenlassen, Vertiefen, Zusichkommen, Auskosten Raumgeben. Stille. ein Zwischenraum, ein Bewusstseinswandler, um neu die Stimme zu hören, die uns ins Leben ruft. Gottes Stimme, die uns einlädt zu Größerem, Höheren, Tieferen. Ich lade uns ein, sich darauf einzulassen, fallenzulassen, vertrauen, und zu antworten, zu danken, zu bitten, zu klagen, zu loben, zu beten, anzubeten, sich in Gott und seiner Vision von Leben der Qualität ewig zu verorten, einen Gebetsanker setzen, denn es ist erwiesen: Gebete wirken, selbst über Entfernungen hinweg verändern sie biologische Prozesse und jedes Mal, wenn ich persönlich bete, bekomme ich einen Mutanfall. Verbinden wir uns also nicht mit vergänglichen Datenströmen, die uns ruhelos und unstet weitehetzen lassen,nach dem Großen und Außerordentlichen, pardon, nach dem noch Größeren und noch viel mehr Außerordentlichen, falsch, nach dem fundamentalgalaktischen,übelstkonkret, bongforzionös totalhammerkrassem Größten mit Gänsehautentzündung oder so, sondern verbinden wir uns mit dem Leben, wie Gott es uns in der Geburt eines Kindes im Unscheinbaren, im Kleinen, in seinem Sohn Jesus Christus verheißen hat: Leben in Fülle.

Liebe kommt auf Erden.
Es wäre gelogen, würde ich sagen,
nichts wird sich verändern.
Ich kann unmöglich glauben,
dass Liebe fehlt.
Es ist doch ganz klar,
dass ich mit anderen Augen sehen kann,
dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint.
Ich weigere mich zu glauben,
dass die Zeit rast.
Es ist doch so,
dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt,
dass ich den Weg nach innen finden kann,
dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann.
Ich glaube nicht,
dass der Advent nur laut und schrill ist.
Nein, die Wahrheit ist,
Advent heißt Stille.

Stefan Harrer

Auf ein Wort: Advent #2

Neulich abends vorm Fernsehen

Neulich abends vorm Fernsehen, da, wo einem soviel Gutes wird beschert. Mal eben für einen OBI-Moment gemütlich hingesetzt. Platzda. Genuss muss keine Sünde sein. Man gönnt sich ja sonst nichts. Meica macht das Würstchen. Heute schon geploppt? Na, dann mal ran für das Beste im Mann, also in heller Vorfreude… und dann das – Werbepause: „Setzen Sie Ihrem Leben die Krone auf. Mach dein Ding! Sie haben sich‘s verdient. Hier kommt der Genuss. Sahne bis zum letzten Löffel. It’s cool man. Lasse rein bäng! Don’t call it Schnitzel! Es ist der Käse, der aus der Reihe tanzt. Schmutz geht, Glanz entsteht. Sicherheit, die man sieht und spürt. Wecke den Tiger in dir. Wünsche werden wüstenrot. Da lacht das Leben! Alles super! Das ist alles, was ein gutes Bier braucht. Der Duft, der Frauen provoziert. Just do it! Nogger dir einen! So herrlich joghurtleicht. Mix it, baby. Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer. Entdecke die Möglichkeiten. Nichts ist unmöglich. Es ist in dir – lass es raus!“ 

Das menschliche Glück ist von sinnlicher Art. Dieses Geheimnis wissen scheinbar auch die Werbemacher und rufen uns zu: Gönn dir was, am besten bunte Limonaden und universallängste, schokoschmackige Knusperriegel für deine Zeit der Zärtlichkeit. Nutzen unsere Sehnsucht aus, die dahinter steht, berührt zu werden, um geistig und seelisch nicht zu verkümmern. Diese alte Weisheit gerät immer wieder in Vergessenheit bei all unserem Joggen und unserer Fitness, Rennen und Stemmen, Keuchen, Schwitzen und anderer freiwilliger Selbstpeinigung. Gerät in Vergessenheit, wenn wir 542 mal am Tag auf unser Handydisplay starren, weil der Umgang mit unserem Smartphone nicht mehr unserem freien Willen unterliegt, wie z.B. neulich eine BMW Fahrerin gestoppt wurde, die das Lenkrad mit den Beinen steuerte, weil sie in beiden Händen ihr Smartphone hielt… Gestehen wir uns doch ein, wir suchen überall, sind süchtig und brauchen etwas, das uns berührt. Und tief in uns wissen wir, das können wir nicht googeln, kaufen oder zwingen, sondern es muss uns geschenkt werden: Schutz schenkend, behutsam, sorgfältig, helfend, eine Handreichung von Seele zu Seele, ein Brückenschlag von Herz zu Herz. Wenn wir Schmerz erfahren, wissen wir doch auch intuitiv, dass Berührung Schmerz lindert. Advent ist eine Zeit des Spürsinns. Gott will uns berühren. Und dazu wählt er den Herzensweg: als ein Kind einer obdachlosen Familie, geboren in einem Stall, in einer Futterkrippe auf Stroh, schwach, abhängig, hilflos, wehrlos, es braucht vielmehr unsere Zuwendung – rund um die Uhr. Gottes Wege sind eben anders: er würfelt nicht am grünen Tisch über unser Schicksal, sondern macht sich auf, um nachzuschauen, wieso unsere Zuwendung zu ihm ausbleibt – Gott wird Mensch, dass wir Menschen aufhören, wie Gott sein zu wollen. Er sendet uns einen Lichtstrahl seiner Liebe. Damit wir nicht weiter die Dunkelheit anklagen wird Gott Mensch und zeigt mir wie ich wahrhaft wieder Mensch werden kann. So groß kann klein sein. Das sind wir ihm wert! Dafür bezahlt er mit seinem guten Namen. 

Ach ja, neulich vorm Fernseher, am Ende der Werbepause: Der Tag geht, Johnnie Walker kommt. Der Advent geht, Jesus Christus kommt – kommt an. Die Kraft des Guten, ohne Schokolade, der Horizonte öffnet, Flügel verleiht, trotz all unserem Käse aus Holland: denn sind wir nicht alle ein bisschen Blup & Bluna? Er kommt – kraftvoll, kompatibel, menschlich. Aus Liebe zum Leben, um Momenten Seele zu geben. Ich glaub hier bin ich richtig. Come in find out. Einmal hin, alles drin, Eine Allianz fürs Leben! Da werden sie geholfen, da weiß man, was man hat. Guten Abend, bzw. guten Advent!

Stefan Harrer

Auf ein Wort: Advent #1

Neulich morgens im Bad

Neulich in meinem Bad, morgens. Wer bin ich, wenn ja, wie viele, wo bin ich und warum so früh? Mein Bett und ich spielen jeden Morgen Stein-Schere-Papier. Wer verliert steht auf. Langsam glaube ich, dass mein Bett schummelt. Morgens ist einfach nicht mein Tag und eines muss man ja der Müdigkeit lassen: Kondition hat sie! So müde wie heute war ich seit gestern Morgen nicht mehr. Manchmal meine ich, ich habe einen Gähndefekt. Veni,vidi, oblitussum – Ich kam, sah und vergaß, was ich vor hatte. Ach ja. Ein Blick in den Spiegel – wow, perfekt! Oh, Licht war noch aus, Moment… OK, ich kenn dich nicht, rasiere dich aber trotzdem. Und welche übrige Behandlung? Restaurieren, Denkmalschutz oder doch lieber Fotoalbum anschauen? Vielleicht dann eher duschen, da ist mein Spiegel immer sehr rücksichtsvoll und beschlägt, wenn ich aus der Dusche komme. Also, zerknitterter Waschbär da gegenüber mit einer Frisur, als hättest du ein Jahr mit einem Rudel Wölfe gehaust, ich sehe bei dir noch viele Entfaltungsmöglichkeiten und würde an deiner Stelle heute mal wieder eher auf innere Werte setzen. Ob man bei spät ins Bett Gehen und früh Aufstehen sich irgendwann selbst im Bad trifft? Oh, Mann. Beim Pulli anziehen wäre ich gerade fast wieder eingeschlafen, weil es kurz dunkel war…

„Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern! So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“ Als der Schriftsteller und Journalist Jochen Klepper 1938 diese Zeilen schrieb, hatte er manch dunkle Nacht hinter sich. Als die Nazis 1933 die Macht ergriffen, wurde er vom Rundfunk entlassen. Der Grund war seine Ehe mit Johanna Stein, einer Jüdin. 1937 erhält er Berufsverbot, was Arbeitslosigkeit gleich kam. Nach der Reichskristallnacht mussten seine Frau und seine Töchter jederzeit mit der Deportation in ein Konzentrationslager rechnen. Die Maschen des nationalsozialistischen Netzes von Terror und Gewalt zogen sich immer mehr zusammen – wie in dunkler Nacht. Auch 2019 erscheint die Welt dunkel und finster. Wirtschaftskrisen, Umweltzerstörung, Skandale, Gewalt, Terror, Kriege… Noch immer hören wir so manche Stiefel „mit Gedröhn“ dahergehen und sehen Mäntel, die in Blut geschleift werden. Wie sehen unsere persönlichen Bedrängnisse dieser Tage aus? Die Krankheit, die uns all Kraft raubt,? Die roten Zahlen auf dem Konto? Alkohol? Lange Nächste in den falschen Armen? Oder in gar keinen? So oft unser Netz der Sehnsucht ausgeworfen, doch kein Lebensfisch gefangen? Die Trauer um einen lieben Menschen? Lange Tage im falschen Job? Und immer wieder Sorgendunkelheit, Problemnacht… So große Sehnsucht, so wenig Licht und keiner, der mich hört, kein Ohr, kein Herz, keine Hand. Keiner?

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande,scheint es hell.“ (Jesaja 9,1) Hören wir die Botschaft dieser Tage Gott ist nah und Gott ist da. Wie wäre es, dieser adventlichen Tage einen ganz anderen Akzent zu setzen? Gerade an diesem morgendlichen Moment, der wie kein anderer die Ewigkeit berührt, um von einer ganz anderen Position zu starten, bevor der Lauf des Tages mit all seinen Problemen uns aufgedrückt wird? Begrüßen wir jeden Tag wie den wundervollen ersten Tag eines ganz neuen Lebens, auf den ich alle meine Hoffnung unverbrüchlich setzen kann, wo mir alle Möglichkeiten offen stehen, lebendige Beziehungen zu Gott und den Menschen zu gestalten. Angst und Klage verstummen, denn ich bin aufgehoben, Gott kommt mir nahe – unter allen Umständen, durch alle Zeiten. Und das macht jeden Tag hell und licht. 

Ach ja, neulich im Bad: hab in den Spiegel gelächelt – und ein Lächeln kam zurück…

Stefan Harrer

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