Rock’n Roll Tomatoes

Rockmusik lässt Tomaten besser wachsen. Diese Empfehlung gibt der britische Tomatenzüchterverband. „Sogar Züchter, die sonst eher den Klassiksender einschalten, geben zu, dass vor allem Schlagzeug und Bässe von Nutzen sind“, sagte neulich der Verbandsvorsitzende Peter Pomodoro. „Durch die Vibrationen bei den Bässen kommen mehr Blütenpollen frei, wodurch mehr Tomatenpflanzen befruchtet werden. Dabei gelte der Grundsatz: je lauter, desto besser. Viele führende Züchter hätten schon Radios und Lautsprecher in Gewächshäusern installiert.“ Vorbild hierbei seien Schweizer Käsehersteller, die ebenso davon überzeugt sind, dass es sich definitiv auf den Geschmack eines Käses auswirkt, wenn er beim Reifen mit Musik beschallt wird. So wie der Mensch, auf Musik reagiert, scheinen Käsebakterien alles, was ein bisschen hübsch und harmonisch ist, zu mögen, sind sie schlussendlich auch biologische Wesen, die am selben Freude haben wie wir. Acht Monate lang werden z.B. Laibe des Halbhartkäses „Mutterglück“ mit Hip Hop und Led Zeppelin beschallt. – Alles Tomate, Käse oder doch nur Quatsch? Nein, Musik ist ein gewaltiger Stimulus für unser Gehirn. Musizierende Kinder lernen besser Fremdsprachen, Menschen brauchen im Alter oft länger kein Hörgerät, wenn sie Musik gemacht haben. Musiker können sich besser konzentrieren. Die Liste der nachgewiesenen, positiven Effekte ist lang. Vor allem macht Musik glücklich. Aber wann haben wir zuletzt wirklich hingehört? Musik wirkt, wenn Menschen in einer Band spielen, unter der Dusche singen oder abends Rock’n Roll tanzen. Oder mit Genuss zuhören. Musik scheint von allen Künsten die zu sein, die uns am unmittelbarsten berührt. Musik kann Menschen verändern, und mit ihnen die Welt. Musik ist die laute Stimme so vieler stiller Herzen, eine faszinierende Form der Kommunikation. Ohne Worte, Ohne Bilder: ich singe nicht weil ich glücklich bin, ich bin glücklich, weil ich singe. Schon der Reformator Martin Luther hielt sie für eine „Herrin und Regiererin des menschlichen Hertzen, die die Tiefenschichten der Seele anrührt und Glücksgefühle verleiht“, gleich welcher Provenienz wir sind. Sie findet eine Stimme für Trauer und Angst, kann aber auch unmittelbar trösten. „Ich wünschte gewiss von Herzen, dass jeder die göttliche und vortreffliche Gabe der Musik lobte und priese. Ich werde von der Menge und Größe ihrer guten Eigenschaften so überschüttet, dass ich weder Anfang, Ende noch Maß meiner Rede finden kann.“ Für Luther ist Musik eine Gottesgabe, eine „fröhliche Kreatur“. Frau Musica vermittelt uns also in erster Linie gute Erfahrungen. Sie „macht alles fröhlich überall“, sie vertreibt die Sorgen und erleichtert das Leben. Singend erleben wir uns selbst als klingende Wesen, bekommen Kontakt mit der eigenen Stimme. Das stärkt die eigene Identität, besondere Glückshormone werden freigesetzt. Das geschieht auch beim gemeinsamen Musizieren oder Singen. Deshalb:„Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen. In aller Weisheit lehret und vermahnt euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen (das ist tröstlichen / holdseligen / gnadenreichen) Liedern und singet dem Herrn in eurem Herzen.““ (Kolosser 3,16). Willkommen im Klang des Lebens, ein Träumen, ein Universum emotionaler Erinnerung und lebenslanger Leidenschaft, ein magischer Schlüssel zu Freude und Seelenpoesie, pures Glück ToGo. Im Singen, im Tanzen ist Musik Melodie und unsere Welt der Text dazu…

-Stefan Harrer-

Photo by Rodion Kutsaev on Unsplash

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